Unser Bundespräsident hat ja heute das Luftsicherheitsgesetz unterschrieben, welches unter anderem der Bundeswehr die Möglichkeit einräumt, entführte Passagiermaschinen abzuschießen, wenn sie eine Bedrohung darstellen. Man will quasi verhindern, daß etwas wie in New York auch in Deutschland passiert. Nun hat sich der Herr Köhler dabei beschwert, daß er dieses Gesetz nur mit äußerstem Unwillen unterschreibe, weil er Bedenken hinsichtlich der verfassungsrechtlichen Grundlage hat. Er unterschrieb es laut eigener Aussage trotzdem, weil er sich den notwendigen Maßnahmen zur Terrorismusabwehr nicht in den Weg stellen will. Mal abgesehen davon, daß man zu Zeit mit dem Hinweis auf Terrorismusgefahren wahrscheinlich sogar das Verbot von Würfelzucker begründen könnte, ist mir doch eine Aussage von Herrn Schily, unserem werten Innenminister aufgefallen:
Schily sagte weiter: "Wir opfern nicht Leben zugunsten Leben anderer." Eine Entscheidung stehe nur an, wenn zweifelsfrei feststehe, dass Menschen umkommen werden, weil ihr Schicksal bereits von Terroristen besiegelt sei. Die verfassungsrechtliche Klärung könne nur allen willkommen sein.
Quelle: www.spiegel.de
Ist ja interessant, Herr Schily. Vielleicht ist ihnen ja entgangen, daß die in New York damals von den Angriffen total überrascht waren, weil ihnen eigentlich nicht klar war, was die Flugzeuge eigentlich im gesperrten Luftraum treiben. Da würde mich doch interessieren, ab wann man "zweifelsfrei" weiß, daß die Menschen in so einem Flugzeug umkommen werden? Und vor allem: wenn man das dann weiß, schafft man es dann noch, die Maschine abzuschießen? Hm, schauen wir mal kurz... Also, die Bundeswehr besitzt derzeit Jagdflugzeuge vom Typ Phantom F4F, welche in Wittmund (ganz im Norden, bei Wilhelmshaven) und Neuburg a.d. Donau (westlich von Ingolstadt) stationiert sind. Außerdem hat sie vor, sich noch ein paar von den Eurofightern zu kaufen, welche außer ind Wittmund und Neuburg auch noch in Laage (bei Rostock) stationiert werden sollen (Quelle:
www.luftwaffe.de).
Wir müssen also annehmen, daß die BRD in zwei Teile aufgeteilt wird: entweder man kann das abzuschießende Flugzeug von Norden aus anfliegen oder von Süden. Wenn wir der Einfachheit halber mal die maximale Entfernung zwischen Einsatzort und Geschwaderstandort gleich der halben Entfernung der Geschwaderstandorte Wittmund und Neuburg setzen (etwa 700kmk), dann müssen also im ungünstigsten Fall 350 km überwunden bis zum Einsatzort. Beide Flugzeugtypen können maximal Mach 2 fliegen. Also selbst wenn man annimmt, daß sie die gesamte Strecke mit Mach 2 zurücklegen, brauchen sie dafür 10 Minuten. 10 ganze Minuten (und das noch ohne die Zeit, die die Maschinen brauchen, bis sie überhaupt aufgestiegen sind), die der Innenminister als Vorlauf bräuchte, nachdem er sich absolut sicher ist. Verdammt lange Zeit...
Gut, man kann jetzt einwenden, daß die Maschinen ja wahrscheinlich schon aufsteigen, während man noch versucht, mit den Entführern Kontakt aufzunehmen, damit sie im Zweifelsfall verfügbar sind. Ich nehme nicht an, daß die Selbstmordattentäter, die sowas ausführen, mit sich reden lassen. Und wenn die die Maschine erst kurz vor dem Anschlag kapern (möglichst über dicht besiedeltem Gebiet), dann möchte ich wissen, wie man die noch rechtzeitig abschießen will. Selbst wenn man sie von ihrem eigentlichen Ziel fernhalten kann, kommt ein Abschuss einer Katastrophe gleich. Schließlich löst sich so ein Airbus nicht einfach in Luft auf, wenn er von einer Abfangrakete getroffen wird. Und was passiert, wenn die Reste solch einer Maschine über besiedeltem Gebiet runterkommen, konnte man sich ja schon am 21.12.1988 in Lockerbie anschauen. Die Extrapolation der Opferzahlen wenn sowas über einer Großstadt passiert sei dem geneigten Leser zur Übung überlassen.
Insgesamt muss ich sagen: nein, ich habe auch keine Ahnung, wie man derartige Sachen wie in New York verhindert. Aber ich habe so meine Zweifel, daß dieses Gesetz der richtige Weg ist. Insofern überrascht mich der (Zweck-)Optimismus von Herrn Schily schon ein wenig.
Hach ja, letztens hab ich mich ja bereits einmal über die merkwürdigen Ansichten unseres werten Herrn Innenministers ausgelassen. Nun ist ihm mal wieder ein wenig Luft geräuschvoll entwichen. Herausgekommen ist diesmal ein Kommentar zum Thema "Sicherheit
Aufgenommen: Feb 13, 13:42