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Samstag, 5. April 2008Mittel zur NachbarnschonungSeit einigen Wochen besitze ich endlich ein eigene Schlagzeug. Da von vornherein feststand, dass es im Wohnzimmer stehen soll (so zwecks: Lust? Ok, ransetzen, üben.) stand natürlich fest, dass es ein elektronisches werden würde. Mietwohnung und akkustisches vertragen sich selbst bei netten Nachbarn nicht lang. Nachdem ich in einer mittelschweren Odyssee noch ein Roland TD-6 KX aufgetrieben habe (wird leider nicht mehr gebaut und ist einigermaßen schwer zu kriegen) war eigentlich alles klar, was die Lautstärke angeht. Dachte ich... Problem: auch ein elektronisches Schlagzeug hat Fußmaschinen, die bedient werden wollen. Und dann entsteht Schall. Körperschall, um genau zu sein. Die Meshheads des Schlagzeuges reduzieren zwar den Raumschall auf ein Minimum, aber gegen den direkt an den Boden abgegebenen Körperschall sind sie machtlos. Nachbars Aussage: hm, da musst du noch was tun... Ok, also her mit dem Netz, Google und Co. benutzt und schließlich zum Entschluss gekommen: ein Podest muss her. Erster Anlauf: Füße aus Stypropor um vom Boden zu entkoppeln, Holzplatten drüber, fertig. Also bei Eltern den Dachboden geplündert, Füße aus Wärmedämmplatten gebaut und... weggeworfen. Styropor ist schonmal viel zu hart. Man hat den Eindruck, es verstärkt den Schall fast noch. Unerträglich jedenfalls. Nächster Anlauf: Füße aus Schaumgummi. Ist auch mehr oder minder so der kanonische Hinweis in irgendwelchen Foren. Schaumgummi, der sich unter dem Gewicht etwa 10% eindrückt, MDF-Platten und dann geht das schon. Nachdem sämtliche Versuche irgendwo Schaumgummi zu kaufen fehlgeschlagen waren (entweder als Matraze, dann ist er sauteuer, oder man bekommt ihn nur LKW-weise) nochmal den Dachboden meiner Eltern durchstöbert und siehe da: eine alte Matraze 90x200cm². Perfekt. Zuersteinmal passend zuschneiden: das Podest sollte 150x130cm² werden. Dafür reicht die Matraze nicht ganz. Also drei Streifen à 150x30cm² geschnitten und als Grundform auf einen passenden alten Teppich gelegt. Dieser liegt übrigens verkehrtrum, damit man das gesamte Podest hinterher noch bewegen kann. Das ganze sieht dann so aus: ![]() Die Grundform aus drei Schaumgummistreifen Aus den Resten der Matraze werden noch ein paar passende Abstandshalter geschnitten und der restliche Platz mit ebenfalls erstöberten Mineralwollestücken aufgefüllt. Danach sieht das dann so aus: ![]() Das Dämpfungselement. Darüber kommt dann als erstes eine Lage V100-Pressspanplatten. Die gibt es nicht in der Größe (ok, nicht bezahlbar), also werden zwei Teile mit Winkeln verbunden (hat auch den entscheidenden Vorteil, dass man die Teile zerlegen und im Auto transportieren kann). Als nächstes sollte ursprünglich eine weitere Lage V100-Platten drauf, diesmal mit der Naht quer zu den darunterliegenden (aus Stabilitätsgründen). Im Test erwies sich diese Konstruktion aber als zu laut, weswegen erstmal noch ein wenig Teppich dazwischen, wieder auf dem Dachboden gefunden (praktisch, wenn Eltern vor kurzem renoviert haben). Darüber dann die nächste Lage Platten. ![]() V100-Platten als Grundlage ![]() Teppichreste als Dämpfer zwischen den V100-Platten. ![]() Zweite Lage V100-Platten Danach noch als Abschluss eine Lage Teppich drauf und fertig sollte der Träger sein: ![]() Noch ein dicker (und häßlicher Teppich) In irgendeinem Forumsbeitrag hatte ich gelesen, dass Marmorplatten ideal wären: schwer und fast nicht elastisch. Dummerweise unbezahlbar. Aber was ähnlich gutes fand sich im Garten meiner Schwiegereltern: die haben im letzten Jahr rund ums Haus renoviert und dabei jede Menge Gehwegplatten durch Pflaster ersetzt. Glücklicherweise liegen diese Dinger noch rum und sind für mein Anliegen ideal: schwer (jede Platte schätzungsweise knapp 5kg) und kaum elastisch (Beton). Also haben wir 20 Stück davon eingesammelt, von Dreck befreit und quasi "schwimmend" auf dem ursprünlich als Abschlussteppich geplanten verlegt (außenrum mit Leisten gesichert, weil die Fläche nicht ganz aufging. Die Platten sind 30x30cm², weswegen in der Breite am Ende 10cm fehlen.) ![]() Gehwegplatten als Gewicht Natürlich sind die Gehwegplatten nix für's Wohnzimmer, weswegen meine bessere Hälfte schon bei der ersten Planung angeordnet hat, dass das Podest mit einem Teppich abzudecken ist, der nach was aussieht. Als Farbe wurde Weinrot festgelegt (passt zu den Blumentöpfen. Ist nicht so, dass ich hier irgendein Mitspracherecht hätte...). Glücklicherweise gab es im Baumarkt grad billigen einfarbig weinroten Teppich, so dass das auch nicht weiter schwer war. Aus alten Teppichresten noch etwas dickere Unterlagen für die Fußmaschinen gebaut, den weinroten Teppich drüber, et voilà: fertig ist das Podest: ![]() Fertig ist das Podest Perfekt. Den Nachbarschaftstests hat's bestanden: unsere Untermieterin hört gar nix (also wirklich nix, nicht mal leise). Meine bessere Hälfte ist's zufrieden, dass das Wohnzimmer nicht verschandelt wird und ich hab meine Spielecke. Ok, das Podest ist ein wenig nach der Methode "viel hilft viel" gebaut (abschließend ist es 23cm hoch), aber das hat sich gelohnt. Abgesehen davon hab ich für alles außer dem Abschlussteppich und den V100-Platten alte Sachen wiederverwertet, die sonst sowieso entsorgt worden wären. Gesamtkosten: 70€ (V100-Platten sind dabei das teuerste. Dummerweise muss man 4 komplette Platten nehmen, weil sich keine zwei Teile aus einem Rohling schneiden lassen. Dafür hab ich jetzt noch einiges an Reststücken für andere Basteleien.). Der Vorteil notfalls auch Mitternacht spielen zu können: unbezahlbar. ![]() So sieht meine Spielecke dann fertig aus
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