Herr S. hat wieder zugeschlagen! Ich hatte ja letztens bereits ausführlich über die Probleme mit solchen selbsternannten Kämpfern für die gute Sache (TM) sinniert. Ähnliche Gedanken finden sich bspw. auch im Blog vom werten Herrn Friedland. Nun, die ganze Posse (mein neues Lieblingswort) hat sich in der Zwischenzeit nicht in Luft aufgelöst, sondern wird von Tino weiter befeuert. Seine neuesten Coups: ein Ultimatum an den StuRa und ein (natürlich offener, worum geht es hier schließlich?) Brief an den Rektor der TU Ilmenau. Doch von vorn...
Liest man den bereits verlinkten Eintrag an die Burschenschaften (als wären die ne homogene Organisation), so hat man doch ein wenig den Eindruck, daß Herr S. nun endgültig abdreht. Da werden Aussagen getroffen wie "Burschenschafter sind also nicht nur dumm, sondern tragen tendenziell faschistoide Züge.", welche doch relativ klar den Straftatbestand der Beleidigung erfüllen dürften (vielleicht findet sich ja ein geneigter Burschenschaftler?) und der Artikel schließt mit einem Ultimatum an den StuRa der TU Ilmenau:
Dem Studentenrat der TU Ilmenau gewähre ich indes 72 Stunden, sich zu den Vorwürfen zu äußern und sich bei seiner Studentenschaft zu entschuldigen.
Nun, offenbar hat keiner vom StuRa reagiert, also wird das Ultimatum etwas später präzisiert:
Die Studentenvertreter der TU Ilmenau haben noch 48 Stunden, sich beim Rektorat und seinen Studierenden zu entschuldigen, sich von Burschenschaften zu distanzieren, Burschenschafter in den eigenen Reihen zu benennen und den Hitlergruß einer seiner Mitglieder aufzuklären.
In angespannter Erwartung finden Krisensitzungen im StuRa-Büro statt, als die Zeit abläuft... Nein, halt, wir sind hier ja nicht in einem Hollywoodfilm. Genaugenommen passiert von Seiten des StuRa... nix. Wozu auch, wirklich neue Erkenntnisse erhofft man sich von der Hetze des Herrn S. ja auch nicht. Nun ja, das Ultimatum ist vorbei und Tino läßt die Bombe platzen. Wie? Ihr meint, er hat doch gar nix getan? Stimmt.
Da ihm offenbar aufgefallen ist, daß ein Ultimatum ohne Sanktionen etwas blöd aussieht und seine Fanschar dann doch vollends davonlaufen wird, legt er nach: ein offener Brief an den Rektor der TU Ilmenau. Ich zitiere wörtlich (und kommentiere dabei)...
Sehr geehrter Prof. Dr. Scharff,
leider haben Sie bisher auf mein Gesprächsangebot nicht reagiert. Nichts desto Trotz möchte ich es nicht unversucht lassen, Sie erneut um ein Gespräch zu bitte, um eine weitere Eskalation, die Ihre und meine Universität schaden kann, zu verhindern.
Wir lesen also: Herr S. hat dem Rektor der Uni ein Gespräch angeboten um die – wohlgemerkt völlig absurden – Vorwürfe aus der Welt zu schaffen, die er sich so ausgedacht hat. Das hat er ja getan, nachdem er eine Aufforderung zur Unterschrift einer Unterlassungserklärung von eben jenem Rektor bekam. Nun droht er unverhohlen mit einer weiteren Eskalation, sollte der Rektor nicht endlich auf ihn eingehen (und ihm damit den dringend benötigten "Sieg" bescheren). Ok, klassische Argumentationslinie, um den Gegner in die Defensive zu drängen. Nett, aber durchschaubar. Es wird besser...
Ich biete Ihnen an, dass wir gemeinsam - zum Schutze der TU Ilmenau ohne Öffentlichkeit - die Verhältnisse innerhalb des Studentenrates, welcher sich bis dato zu dem Hitlergruß eines seiner Mitglieder weder geäußert noch entschuldigt hat, aufzuklären versuchen und die Verbindungen zur dortigen Burschenschaft kritisch zu hinterfragen.
Nocheinmal die unverhohlene Drohung, den Ruf der Uni zu ruinieren, sollte keine Reaktion seitens des Rektors erfolgen. Dann allerdings beginnt er schamlos (und vor allem widerlegbar) zu lügen: der Studentenrat der TU Ilmenau hat sich sehr wohl zu der – im Nachhinein anscheinend leider nicht eindeutig nachvollziehbaren – Aktion mit dem Hitlergruß geäußert: er hat dem entsprechenden Mitglied einen Rücktritt nahegelegt (die entsprechenden Protokolle gibt es hier, hier, hier und hier. Man entschuldige die lange Liste, das hat sich etwas hingezogen.) Mehr kann und darf er nicht tun, wenn er sich auf dem Boden der demokratischen Regeln bewegen will. Auch wenn es in die beschränkte Sicht von Herrn S. nicht passt: demokratisch gewählte Vertreter im StuRa können nicht per ordre de mufti entsorgt werden. Nicht solange sie nicht strafrechtlich einwandfrei belangt wurden.
Im Gegenzug lasse ich bis zur Klärung dieser Sachverhalte meine Berichterstattung in meinem Weblog ruhen.
Ich bin jederzeit für ein Gespräch offen und erwarte Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüßen aus dem sonnigen Madrid,
Tino Seeber
Zum Schluss noch der obligatorische Waffenstillstand. Interessant dabei ist: vermutlich (man ist da ja nie so sicher) muss er die "Berichterstattung" (lies: "Verbreitung von wilden Fantasien") demnächst eh stoppen. Dann nämlich, wenn das Rektorat der Uni endlich Nägel mit Köpfen macht und gerichtlich feststellen läßt, ob Herr S. irgendwas in der Hand hat, was seine Behauptungen stützt. Bis dahin will er wohl keinen Schaden für sich weiter anrichten.
Zum Schluss noch eine kleine Erklärung, wieso ich darüber schreibe und dem Herrn damit ja noch weitere Aufmerksamkeit verschaffe: prinzipiell ist der Trick zwar, daß man Trolle verhungern läßt, doch in dem Fall ist das nicht so einfach. Er hat sein Publikum und ist damit glücklich. Er schreibt und schreibt seit geraumer Zeit. Und Google bewertet nicht, ob das geschriebene Unsinn ist. Ein paar Gegenstimmen schaden also nicht. Sie können vielleicht nicht allen Schaden verhindern, aber vielleicht einigen Leuten zeigen, daß nicht alles so ist, wie es selbsternannte Kämpfer für die gute Sache so schreiben...
Über Herrn S. und seine Machenschaften hatte ich ja schon öfter berichtet. Tino ist ein Selbstdarsteller wie er im Buche steht und geht für ein paar Google-Hits über Leichen. Soweit nichts neues. Ebenfalls nichts neues ist sein Streit mit dem Studentenrat
Aufgenommen: Mai 12, 14:22