Ein (hoffentlich) letztes Mal ein Artikel über den bekannten Herrn S. Nun hat er sich ein (angeblich) letztes Mal an die Leute in Ilmenau gewandt und (natürlich) mal wieder einige Sachen geschrieben, die man so nicht stehen lassen kann.
Es geht eigentlich schon gut los:
[...]dachte ich doch schon es käme in Ilmenau neben Morddrohungen, Exmatrikulationsbegehren, Unterlassungserklärungen, Hacks und sonstigen Hinterwaldaktionen niemand mehr auf die Idee mal zu fragen, weshalb ich das Ganze mache - mein Leben und Karriere riskiere, um aufzuklären.
Die Morddrohung hat sich ja anscheinend geklärt, Exmatrikulationsandrohungen und Unterlassungserklärungen (bzw. Aufforderungen zu Abgabe selbiger) sind gerechtfertigt, bei dem Hack ist es ja nun immernoch nicht raus, was da eigentlich passiert ist (was hat denn die Polizei so gesagt?) und was die "Hinterwaldaktionen" sein sollen, weiß wohl nur er. Aber weiter im Text...
Ziel war, zum Nachdenken anzuregen, die Dinge wie sie in Ilmenau sind, kritisch zu hinterfragen. Was mich störte, war diese Gleichgültigkeit der ansässigen Studierenden - sei es in politischen wie moralischen Dingen. Es galt die Salzfinger in die Wunden zu legen, um durch Schmerz den Unmüdigen die Augen zu öffnen.
Die postulierten Unmündigen (hat nix mit "müde" zu tun) laufen durchaus mit offenen Augen durch die Welt. Sie sehen, daß es in Ilmenau Nazis gibt und man diesen keinen Fußbreit Boden bieten darf. Sie engagieren sich, sei es in der ISWI, den Clubs, dem Studentenrat, FeM oder vielen anderen Vereinen um der Uni und der Stadt mehr zu entlocken als die angeprangerte Gleichgültigkeit in allen Belangen. Sie tolerieren – und das ist etwas, was offenbar gewissen Herren mit übermäßigem Sendungsbewußtsein komplett fehlt – einander trotz unterschiedlicher Ansichten, solange sie sich alle auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen (ok, ich gestehe daß diese Schilderung idealisiert ist. Es gibt natürlich auch hier in Ilmenau Idioten in allen Alterklassen und Gruppen. Die hat es immer gegeben und die wird es wohl leider auch immer geben.). Das wichtigste aber: sie haben ein einigermaßen akurates Bild ihrer Umgebung. Sie sehen, daß die braunen Horden nicht durch Ilmenau marschieren und ständig Jagd auf Ausländer machen. Sie sehen ebenso, daß allen Behauptungen zum Trotz ein buntes Treiben herrscht, bei dem ISWI nur der Höhepunkt der internationalen Veranstaltungen ist.
Es ist einfach, sich wie ein Heckenschütze in Spanien zu verstecken und sich mit wilden Behauptungen Öffentlichkeit zu verschaffen, für welche Ziele auch immer. Es ist ebenso einfach, sich gegenüber Institutionen wie der Uni als Märtyrer für die gerechte Sache zu darzustellen. Das Netz will solche Geschichten glauben und sieht nur sehr selten ein, daß Rauch nicht immer von Feuer kommt. Viel komplizierter ist es dagegen, sich tagtäglich mit den kleinen und großen Problemen und Herausforderungen einer Uni und der ihr nahestehenden Vereine rumzuschlagen. Das ist die eigentliche Leistung.
Den Rest des Weges muss Ilmenau alleine gehen. Es wird nicht einfach werden, Fehler einzugestehen und mit der Vergangenheit aufzuräumen, auch wenn - oder gerade weil man es Tradition nennen wird.
Lieber Tino, auch wenn du dich sicherlich gern so sehen würdest: du hast keine Diskussionen über Nazis etc. angestoßen. Du hast Ilmenau auf keinen Weg geschickt. Du hast maximal Leute darin vereint, deine Anwürfe und Kampagnen als armseeligen Drang nach Öffentlichkeit zu sehen. Ob Ilmenau auf einem Weg ist und wohin der führt werden wir sicherlich in Zukunft sehen. Probleme zu lösen gäbe es genug, also kann man nur hoffen, daß was geht. Die meisten der Probleme beziehen sich zwar nicht auf politische Ansichten, sondern eher auf bürokratische und sonstige Schwierigkeiten, die ein normaler Unibetrieb und die Integration von Studenten in eine Kleinstadt so mit sich bringen, was sie aber nicht weniger lösenswert macht. Ich begrüße es ehrlich gesagt, wenn Herr S. uns dabei nicht mehr begleiten will und hoffe, daß er sich dran hält, anstatt beim ersten Sinken der Besucherzahlen wieder ins alte Schema zu verfallen. zum Schluss stelle ich nochmal eine Sache mit Verwunderung fest: wie lang kann man sich doch beschäftigen mit haltlosen Behauptungen, für die noch nicht mal der Versuch eines Belegs unternommen wurde. Manchmal erschreckt mich die Macht des Netzes doch schon ein wenig...