Heute haben wir den nördlichsten Punkt unserer Reise angesteuert: Cape Rēinga oder Te Rerenga Wairua in Māori (die Schreibweise ist etwas unklar. Ich halte mich an das, was auf den Schildern dort stand). Nicht ganz der nördlichste Punkt NZs (der ist am North Cape knapp 30 km weiter) und trotzdem die nördlichste Touristenattraktion. Das bekannteste Wahrzeichen des Kaps ist der Leuchtturm. Laut Aufschrift ist seit 1987 kein Leuchtturmwärter mehr dort stationiert. Stattdessen wird das Licht komplett aus Wellington ferngesteuert. Der – mittlerweile – 50-Watt-Brenner (früher waren es 1000 W) des Turms kann angeblich aus bis zu 35 km Entfernung gesehen werden und ist üblicherweise das erste, was Schiffe sehen, wenn sie sich Neuseeland nähern.
Für die Māori ist Te Rerenga Wairua der Übergang zur Unterwelt. In ihrer Mythologie verlassen die Seelen der Toten das Land am Cape und kehren in ihre ewige Heimat Hawaiki zurück. Dass ausgerechnet eines der nördlichsten Kaps Neuseelands diese Bedeutung hat, hat einen simplen Grund: die Māori sind Nachfahren polynesischer Seefahrer, die aus dem Norden – eben aus Polynesien – kamen. In den Legenden hat sich der Gedanke festgesetzt, dass die Seelen der Toten eben wieder in jene "eigentliche" Heimat zurückkehren. Das Kap gilt daher als heiliger Ort, an dem Essen und Trinken untersagt ist.
Ganz ohne Mythologie hat der Ort noch was anderes interessantes zu bieten: Cape Rēinga bildet die Grenze zwischen Tasmanischer See und Pazifik. In Folge dessen kommt es dort zu einem interessanten Schauspiel: ganz ohne Riff oder ähnliches brechen Wellen mitten im tiefen Wasser und machen so die Meeresgrenze sichtbar. Ich wusste ja, dass das so ist, hätte aber nicht vermutet, dass es so deutlich zu sehen ist.
Der Weg nach Cape Rēinga ist übrigens auf den letzten 20 Kilometern größtenteils unbefestigt (wird grad ausgebaut). Man hat dort einen (recht breiten) Feldweg, auf dem immerhin 70 km/h erlaubt sind. Sehr faszinierend, das. Ein Nebenarm dieses Feldwegs erlaubt so 100 km/h – theoretisch. Praktisch kann man deutlich weniger fahren, weil der wirklich recht schlecht befestigt ist. Trotzdem haben wir uns auf diesem Weg ein paar Kilometer vorgewagt bis zum Te Paki Stream, der hinter den Te Paki Giant Dunes fließt. Die Exkursion hatte einen guten Grund: wir wollten Sandsurfen.
Im Prinzip ganz einfach: ein Hartschaumbord mit Plastikboden, rauf auf die Düne, runterrutschen. Man legt sich dazu mit dem Bauch auf das Board und lenkt mit den Füßen im Sand. Sehr cool, das. Ich habe versucht, von dem ganzen eine Innenansicht auf Video zu bannen. Dummerweise hat die Kamera nicht aufgezeichnet und aufgrund des kaputten Displays habe ich das nicht bemerkt. *gnaaa* Egal, Spaß hat's trotzdem gemacht und wäre der Teil mit dem Rauflaufen nicht (das ist echt sch*** anstrengend), hätte ich das den ganzen Tag machen können (dann hätte vielleicht auch eine Aufnahme geklappt.)
Als gute FeM-Mitglieder haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, auch in Neuseeland den Verein gebührend zu vertreten. Nein, die Dünen haben jetzt kein Netz! Wir haben uns bloß Boards in den Vereinsfarben geliehen. Es war einigenmaßen schwierig der Verleiherin zu erklären, wieso ich ausgerechnet ein gelbes und ein blaues Board will. Egal...
GG wollte natürlich seine Fan-Schar auch nicht enttäuschen und war mit uns am 90-Mile-Beach. Der Strand erstreckt sich über nicht ganz 90 Meilen (keine Ahnung, wieso der so heißt. Egal welche Meile man ansetzt, er ist nie 90 davon lang.) Der Strand ist auf der kompletten Länge mit Autos befahrbar und dient so auch als Zufahrt nach Cape Rēinga. Glücklicherweise nicht als einzige, denn dummerweise darf man ihn mit fast keinem Mietauto befahren. Das Problem: zuviele Deppen informieren sich nicht über die Zeiten von Ebbe und Flut und versenken ihre Auto dann versehentlich im Meer. Daher untersagen die Versicherungsbedingungen der meisten Vermieter ein Befahren des Strandes (und noch einer Handvoll anderer Straßen). GG – ganz das wagemutige (und sture) Federvieh – wollte ein tolles Bild mit Wasser im Hintergrund machen. Trotz deutlicher Hinweise von uns (speziell auf die Natur der Wellen am Meer. Die haben ja die blöde Angewohnheit, sich zu bewegen.) war er nicht davon abzubringen, sich im Sand vor dem Wasser ablichten zu lassen. Nun ja... dann halt Actionfotos. Er ist dank schneller Reaktion von Manu nicht ertrunken. Nachdem wir ihn abgetrocknet hatten war er auch schon wieder obenauf und hat fröhlich am Rucksack vor sich hingebaumelt. Irgendwann erwürg ich ihn...
Laut der Cheforganisatorin (ich nenne sie "Gehirn", sehr zum Amüsement anderer Leute) werden die Catlins (die Landschaft an der Südspitze der Südinsel) gern von Touristen mit Zeitmangel ausgelassen. Wir wollten das anders machen und hatten die daher mit
Aufgenommen: Mär 24, 12:01