Nachdem es gestern keinen Artikel gab (dazu später mehr) heute also gleich die Zusammenfassung von zwei Tagen (was nicht weiter schwer ist: heute war relativ unspektakulär).
Nachdem meine Holde entdeckt hat, dass wir einen Tag mehr Zeit haben, als ursprünglich gedacht um zur Fähre zu kommen, haben wir uns gestern morgen die schon erwähnte volle Kanne Natur gegönnt. Da wir unseren Aufenthalt auf den Kahoe Farms noch um eine Nacht verlängert hatten, konnten wir am Morgen zu den dortigen Rock Pools wandern. Stefano hatte uns versprochen, dass sich der Track lohnen würde, auch wenn er etwas... dschungelartig wäre. Tja, damit hatte er nicht zuviel versprochen...
Anfangs ging es noch auf normalen Feldwegen massiv bergan bis auf den höchsten Berg der Umgebung. In unserer "Karte" (eine handgemalte Skizze mit dem Titel "Kahoe's Midde Earth", auf der alle Berge/Täler/Steine etc. nach Dingen aus dem Herrn der Ringe benannt sind) war der weitere Weg als "Endet hier, zeigt aber in die richtige Richtung. Folgt den Markierungen!" gekennzeichnet. Die Markierungen waren kleine blaue Bänder, die alle paar Meter an den Bäumen befestigt waren. Der "Weg", dem man dann noch folgen konnte war eigentlich ein kleiner Trampelpfad, auf dem man sich durch den Busch schlagen musste. Wie im Tropenhaus, nur in echt. Nach gut 45 Minuten erreicht man dann die Rock Pools, drei hintereinander angeordnete Pools in einem Felsen, die von einem kleinen Bach gespeist werden. Stefano hatte definitiv nicht zuviel versprochen: der Weg hatte sich gelohnt, auch wenn wir am Ende gut 4 anstrengende Stunden unterwegs gewesen sein dürften (hin und zurück, mit einer Pause an den Pools zum Mittagessen). Allein schon wegen dieses Trips sollte man in Northland auf jeden Fall auf den Kahoe Farms übernachten.
Unser Bedarf an Natur war allerdings noch nicht gedeckt. Nachdem wir ja tags zuvor die Nordspitze unserer Reise erreicht hatten ging es jetzt erstmal nur nach Süden. Um allerdings nicht wieder das gleiche zu sehen, wie zuvor sind wir an die Westküste gewechselt (die Fahrt nach Norden war ja an der Ostküste). Dort liegt der Waipoua Forest, ein Kauri-Wald, der es vom Artenreichtum her mit tropischen Regenwäldern aufnehmen kann. In diesem Wald befindet sich Tāne Mahuta, der "Gott des Waldes" (so die Übersetzung des Māori-Namens): der älteste und größte (wenn man sich NZ anschaut muss man sagen: bekannte) Kauri der Welt. Mit einem Umfang von rund 14 Metern am Boden ragt er wie eine kleine Stadt aus dem Wald. Kauris werden aufgrund ihrer Form von sehr vielen Pflanzen als Plattform genutzt, weswegen der eigentliche Baum an manchen Stellen eher einem riesigen Garten weit über der Erde gleicht. Wie auch schon die Sequoias in Kalifornien haben die Kauris flache, weit verzweigte Wurzeln. Weil diese empfindlich auf die vielen Besucher reagieren würden, darf man die vorgegebenen Wege in dem Wald nicht verlassen.
Nachdem wir uns durch den Wald gekämpft hatten (wirklich "gekämpft": die Straße ist so kurvig, dass ich mir heute morgen nicht sicher war, ob das Auto [oder ich] überhaupt noch geradeaus fahren kann) kamen wir zur Kaihu Farm, unserer Unterkunft für die Nacht. Irgendwo am Highway mitten im Nichts (genau genommen 30m unterhalb des Highways. Schon die Zufahrt war ein Abenteuer) gab es dort leider keinen Breitbandzugang, folglich also auch keinen Artikel gestern. Dafür gab es einen Hund (Buster) und wie immer gilt: vier Beine und Fell und ich bin meine Frau los...
Heute war ein eher unspektakulärer Tag. Wir hatten nichts spezielles vor, außer Northland möglichst schnell hinter uns zu lassen (nicht, dass es uns nicht gefallen hätte, aber wir haben einen Termin am 17.) und uns auf den größeren Teil der Nordinsel südlich von Auckland zu stürzen. Losgehen soll es damit morgen mit Black Water Rafting in den Waitomo Caves. Deshalb war der Trip heute lang und nervig um möglichst weit nach Süden zu kommen. Nachdem wir heute beim Frühstück noch eine Empfehlung bzgl. einer kleinen Stadt an der Küste bekommen hatten, war das Ziel der Reise Raglan, genauer Solscape. Dieses Backpackers legt stark darauf Wert, umweltfreundlich und nachhaltig zu wirtschaften. So sind bspw. die Zimmer in ausrangierten und umgebauten Eisenbahnwaggons untergebracht. Witzig. einziger Wermutstropfen: Steckdosen gibt es in den Zimmern keine. Sachen laden geht also nur in den Gemeinschaftsräumen. Da Raglan in der Manu Bay, Neuseelands Surferparadies, liegt, laufen hier recht viele braungebrannte Gestalten rum, die man tagsüber auf dem Wasser findet.
Da wir heute ja einen längeren Trip mit dem Auto unternommen haben, ist mir mal wieder aufgefallen wie dämlich doch eigentlich neuseeländische Vorfahrtsregeln sind. Hier herrscht ja bekanntermaßen Linksverkehr. Allerdings: die Vorfahrt wird rechts-vor-links gewährt und das konsequent. Das führt zu folgender dämlicher Situation (siehe auch die Skizze): wenn man links abbiegen will, dann muss man den Rechtsabbiegern (die ja eigentlich meine Spur kreuzen) Vorfahrt gewähren. Umgekehrt muss aber der Rechtsabbieger dem geradeaus fahrenden Verkehr die Vorfahrt gewähren. Will man also von einer durchgehenden Straße nun rechts abbiegen, dann steht man vor der blöden Situation, dass man alle geradeaus fahrenden durchlassen muss aber der erste, der links blinkt muss eigentlich warten. Ob er das auch wirklich tut (schließlich ist sein Weg wesentlich kürzer, also wäre es logisch, dass er zuerst fährt) ist die andere Frage. Zum Glück sind die Autofahrer hier größtenteils nach der Regel "Schön, dass es Verkehrsregeln gibt, ich fahr mal so, dass wenig passiert" unterwegs. Das erspart dem geneigten Touristen wahrscheinlich so manchen Unfall wegen Vorfahrtsfehlern.
Überhaupt sind die Leute hier witzig. Urlaub in Backpackers bringt es mit sich, dass man ständig andere Leute kennenlernt. So kommt es beispielsweise, dass wir vor 3 Tagen mit einem kanadischen Spieleentwickler bei italienischer Pizza über die Besonderheiten der Softwareindustrie und heute morgen mit einer Australierin und einem (gesprächigen!) Finnen über den vor kurzem abgewählten Ministerpräsidenten Australiens(ein echter Depp übrigens, wenn man der Frau so zugehört hat) diskutiert haben. Insgesamt haben wir in den letzten Tagen eine halbe Weltreise gemacht, was die Gesprächspartner angeht: Frankreich, Italien, Finnland, Australien, Israel, England, Kanada und natürlich Neuseeland.
Die Neuseeländer selbst sind übrigens freundlich bis zum Umfallen (wenn man von den Busfahrern in Auckland absieht). "Thank you" sind wahrscheinlich die ersten und letzten Worte jedes Neuseeländers an jedem Tag. Grundsätzlich versuchen sie für ihre Gäste alles möglich zu machen und sind extrem entspannt, wenn man sich etwas doof anstellt (was wir zum Beispiel beim Tanken öfter mal tun. Ist ein wenig kompliziert, die Bedienung der Tanksäulen hier. Vor allem ist die Bezahlerei an jeder Tanke anders.). Insgesamt wundert mich bisher nicht, dass soviele Leute Neuseeland als Auswanderungsland entdecken.
So, morgen will ich aber trotzdem wieder Internet und Strom im Zimmer. Verwöhntes Weichei, ich...
P.S: Das nervigste an Rechtslenkern übrigens: Blinker und Scheibenwischer sind vertauscht. Wie oft ich schon bei Regen geblinkt und beim Abbiegen gewischt habe... Geht wohl anderen aus Linkslenkerländern genauso, wie ich gerade gehört habe.