Anmerkung: Den Artikel ist mit Sicht auf "heute" formuliert, weil ich ihn eigentlich gestern schon geschrieben hatte. Leider war es in dem Backpackers nicht möglich innerhalb der Öffnungszeiten an das (unbenutzte) Terminal zu kommen um ihn hochzuladen (der Betreiber hatte schlicht keinen Bock, mir die Tür zu öffnen). Von Wireless oder anderem Zugang mit eigenem Rechner ganz zu schweigen. Insofern hat sich das hier als bisheriger internettechnischer Tiefpunkt der Reise qualifiziert. Den Artikel von heute gibt es wahrscheinlich auch erst morgen. Im Hostel ist der PC kaputt, Wireless haben sie keins uns wie lang das Internetcafé offen hat weiß ich nicht.
Auf unserem Weg nach Süden hat es uns heute nach Rotorua verschlagen. Man kann schließlich kaum behaupten in Neuseeland gewesen zu sein, wenn man keine vulkanischen Aktivitäten gesehen hat und kaum eine Stadt dürfte sich dafür besser eignen, als diese. Immerhin liegt die Stadt mitten in einem Thermalgebiet. Das hat wiederum erstmal unangenehme Folgen: immer mal wieder weht einem ein starker Geruch nach faulen Eiern um die Nase. Die verschiedenen heißen Quellen, Schlammpools und Geysire stoßen in großen Mengen Schwefel und Schwefelwasserstoff aus und das riecht gelinde gesagt zum Nase zuhalten. Schon eigenwillig ausgerechnet hier eine Stadt zu gründen (die nichtmal klein ist).
Die vulkanische Aktivität in der Umgebung hat allerding auch ihre guten Seiten. In Rotorua gibt es eine faszinierende Ansammlung verschiedener Anzeichen für die Kraft, die im Inneren der Erde schlummert. Da kochen Tümpel sprudelnd vor sich hin, blubbern Schlammpools unentwegt und brechen regelmäßig beeindruckende Geysiere aus. Wir haben uns heute über zwei Stunden in so einem Thermalfeld aufgehalten und waren ein ums andere Mal beeindruckt. Los ging es schon damit, dass plötzlich ein Schlammbad nebem dem Weg liegt, in dem immer wieder Blasen nach oben steigen und platzen. Fast wie kochender Pudding, nur mit einem Durchmesser von vielleicht 10 Metern.
Ein paar Meter weiter geht der Weg über eine Gesteinsplatte, auf der an allen Ecken und Ende heißer Dampf aus Löchern in der Erde strömt. Der gesamte Boden ist so warm, dass man das noch im Gesicht merkt (man darf daher aus naheliegenden Gründen auch den eigentlichen gesicherten Weg nicht verlassen). Mitten auf dieser Gesteinsplatte befindet sich ein großes Loch aus dem es kräftig dampft: Pohutu (sinngemäß "Großer Schwall"), der aktivste Geysir des Tales, der jede Stunde ein- bis zweimal ausbricht und bis zu 15 Meter Höhe erreicht. Laut Aussagen der Leute dort kann so ein Ausbruch durchaus auch mal länger dauern: bis zu 6 Stunden. Der längste durchgehende Ausbruch eines Geysirs in dem Tal kam sogar auf sagenhafte 169 Wochen, die er ununterbrochen Wasser gespuckt hat.
Lässt man Pohutu hinter sich, kommen Heißwasserteiche in Sicht, deren Temperatur im Schnitt um die 90°C beträgt. Definitiv nichts um mal schnell ein Bad zu nehmen. Das Wasser ist nicht nur heiß, es ist auch durch die gelösten Mineralien stark alkalisch, so dass es auch abgekühlt kaum ein Genuss wäre. Zuguterletzt kam dann noch etwas, das auf der Karte als "Kochteich" bezeichnet wird: ein kleiner Tümpel von etwa einem Meter Durchmesser, der sprudelnd (wirklich richtig heftig sprudelnd, nicht nur so ein paar Blubberblasen) kocht. Diese Heißwasserquelle wurde früher von den Māori tatsächlich zum Kochen von Speißen verwendet. Diese wurden einfach in Körbe verpackt und in das heiße Wasser gehängt. Das kann man in dem Park auch heute noch bewundern (und vermutlich auch kosten. Wir waren dazu allerdings zu spät da). Das ganze wird komplettiert von einem recht unschuldigen kleinen Fluss, der es mit den gesammelten "Abwässern" des Tals aufnehmen muss.
Die gesamte Szenerie wird von einem Zischen, Brodeln und Grummeln untermalt, dass man wirklich die Befürchtung haben kann, es täte sich jeden Moment ein Spalt auf und man verschwinde im Erdinneren. Ganz falsch ist diese Befürchtung übrigens nicht: das Thermalfeld ist ständigen Veränderungen ausgesetzt, denen sich der Park mit seinen Wegen und Aussichtpunkten anpassen muss. Überall sieht man Wege, die früher mal benutzt wurden und jetzt inmitten heißer Punkte liegen oder es brodelt an einigen Stellen unter den Wegbefestigungen raus, so dass wohl auch da demnächst umstrukturiert werden muss. Definitiv nichts für den eigenen Garten...
In dieser Umgebung kann man schonmal auf dumme Ideen kommen. So geschehen, als das Zorbing erfunden wurden, ein Spaß den wir uns heute gegönnt haben. Man nehme einen riesigen (sprich: 2,50m Durchmesser), transparenten Ball, fülle den mit Luft, hänge darin mittig an vielen Seilen einen zweiten Ball auf (etwa 1,5m im Durchmesser) und baue einen Eingang in die ganze Konstruktion. Durch diesen Eingang packe man Leute in die Kugel und schmeiße sie einen Berg runter. Fertig ist Zorbing. Das ganze gibt es in zwei Varianten: entweder ist man in der Kugel festgeschnallt und bekommt quasi volle Kanne die Drehungen und Wendungen der Kugel ab oder die innere Kugel ist mit etwas Wasser gefüllt, so dass man darin herumrutscht und -schlittert. Wir haben uns von letzteres entschieden, weil man das zu zweit machen kann und weil ich dabei die Videokamera mitnehmen durfte (das Schöne an Neuseeland: kaum Vorschriften welchen Blödsinn du machen darfst. Da wird halt gesagt, dass ich selbst das Risiko für die Kamera trage und fertig ist die Laube.) Von innen sieht das dann so aus:
Wir hatten jedenfalls unseren Spaß. Ursprünglich wollte ich nach der Kaltwasserattacke gestern ja nicht wieder nass werden, aber bei der trockenen Variante hätte ich vermutlich das Frühstück ausgespuckt. Selbst wenn man wie in unserem Fall den Kopf immer oben behält fällt die Orientierung doch einigermaßen schwer und der Magen fragt mal vorsichtig an, was nu los ist. Egal, für ein grenzdebiles Grinsen hinterher hat's noch locker gereicht.
Oh, was mir grad noch einfällt: wir haben heute unseren ersten lebenden Kiwi gesehen (wenn auch in einer Aufzuchtstation). Meine Güte sind die groß. GG hat sich allerdings nicht mit den lebenden Exemplaren zufriedengegeben, sondern musste gleich zu den ganz großen greifen. Naja, wenn es ihn glücklich macht...
Morgen geht's dann weiter nach Taupo. Der dortige Lake Taupo ist übrigens auch ein Produkt vulkanischer Aktivität: vor einigen Tausend Jahren entstand der bei der Eruption eines Vulkans. Eine Eruption der Stufe 8 im übrigen und damit eins von nur zwei bekannten Ereignissen dieser Stärke. Mit einem Schlag flogen dabei über 1000km³ Erdreich in die Luft und hinterließen eine Kaldera, die sich mit Wasser füllte und so den Lake Taupo formte – mit rund 190km Umfang. Neuseelands vulkanische Vergangenheit ist unruhig und die Unruhe geht immernoch jeden Tag weiter. Kaum irgendwo sieht man das besser als in Rotorua.
IRRE, aber echt geil..vor allem eure Gesichter und Manus Gequietsche :-D! Ich hätte auch die Wasservariante gewählt, da sich mein Magen bei Überkugelungen auch gern und schnell bemerkbar macht *g*