... so könnte man an die Ortseingangsschilder schreiben und es wäre netter gemeint, als es klingt. Wellington ist zwar die Hauptstadt Neuseelands, aber keineswegs die größte (das ist Auckland), sondern eher übersichtlich. Die wichtigsten Dinge befinden sich in Laufreichweite, was für eine Hauptstadt durchaus ungewöhnlich ist. Das gibt der Stadt ein angenehmes, unaufgeregtes und trotzdem lebendiges Flair, was sie ideal für einen entspannten Sonntag macht. Zudem hatten wir heute noch massiv Glück mit dem Wetter. Normalerweise ist Wellington als windig und regnerisch verschrien, aber wir hatten heute strahlend blauen Himmel, Sonnenschein und eine ganz leichte Brise. Es hätte also nicht besser sein können.
Dennoch haben wir heute fast den gesamten Tag drinnen verbracht, genaugenommen im Te Papa, Neuseelands Nationalmuseum. "Museum" klingt erstmal so altbacken und verstaubt mit gedämpfter Atmosphäre und langweiligen Exponaten, aber nichts könnte falscher sein. Im Grunde genommen ist Te Papa ein riesiger Spielplatz, der mit modernster Technik versucht Informationen zu verschiedensten Gebieten zu vermitteln. Da gibt es ein Haus, in dem ein Erdbeben simuliert wird, Seismometer, auf die man springen kann, riesige elektronische Leinwände auf denen man Fotos anordnen und manipulieren kann, Hologramme, die was zur Māori-Geschichte erzählen, elektronische Musikinstrumente, ein komplettes Māori-Versammlungshaus und, und, und... Wir hatten jedenfalls einen langen und interessanten Tag und haben nicht alles gesehen. Interessant daran ist: Te Papa ist wie auch schon das Auckland Museum kostenlos. Man kann, wenn man will, was spenden, aber es gibt keine festen Eintrittspreise. Nur bzgl. Fotos haben die sich etwas doof. Man darf fotografieren aber nichts davon ins Internet stellen. Sagt zumindest die Broschüre, die es beim Einlass gab. Ich muss mich da nochmal schlau machen, da das etwas komisch formuliert ist. Deswegen gibt's das Gebäude auch bloß von außen.
Um die Mittagszeit hat uns natürlich auch der Hunger getroffen und wir sind mal kurz in die Stadt gepilgert. Auf dem Rückweg kamen wir im Hafen an einem Menschenauflauf vorbei. Wir haben uns als gute Herdentiere mal dazugestellt und es nicht bereut. Ein kanadischer Artist hatte dort seinen Kram ausgepackt und zog auf dem Pier eine One-Man-Show mit Jonglage und Balanceakten ab. Dazu kommentierte er die ganze Zeit mit einer ziemlich großen Klappe, so dass der eine oder andere Lacher sicher war. Die Show endete damit, dass er auf einem Skateboard, welches auf einem Koffer stand, der wiederum auf einem Tischchen stand, welches seinerseits auf einem großen Koffer stand (uff! Siehe Foto.) mit brennenden Fackeln jonglierte. Durchaus beeindruckend und so war ihm am Ende auch eine Spende sicher.
Ein langer Tag macht hungrig und da wir zum selbst kochen zu faul waren, haben wir uns heute ein nettes Restaurant am Hafen gesucht. Eigentlich hatten wir ja Lust auf Sushi, aber trotz tatkräftiger Hilfe der Leute im Backpackers war kein Sushirestaurant aufzutreiben. Wir haben unseren Appetit auf Fisch daher in klassischer Form gestillt. Manu hat auf Empfehlung eines Engländers(!) Fish&Chips gegessen. Der meinte nämlich gestern, dass die Neuseeländer das besser könnten, als die Inselbewohner selbst. Das sagt ja meiner Meinung nach einiges über die englische Küche. Ich war mutig und hab Thunfischsteak medium-rare (genau: außen braun, innen fast roh) auf Nudeln mit Seegras gegessen. Vor allem das Seegras war lustig: ist sich ein wenig wie Weißkraut oder Bambussprossen, schmeckt aber relativ salzig. Und es war interessanterweise rot. Ich habe mir mal aufschreiben lassen wie das genau heißt. Da muss ich nochmal genauer drüberlesen. (grad getan: heißt Wakame und ist eine essbare Braunalge. Schmeckt besser, als es aussieht.)
Nun sitzen wir hier in unserem Backpackers, welches an sich schon ein interessantes Gebäude ist. Das ganze ist ein ehemaliges Hotel (und ein gutes noch dazu. Laut Backpackers Guide wurde es als Hotel für die Krönungsreise von Queen Elizabeth II 1953 gewählt.) Das Gebäude verströmt den Charme eines alten englischen Hotels, wie man typischerweise aus Filmen kennt. Dazu noch recht zentral in der Stadt (ok, Kunststück. Hier ist ja alles zentral) und nah am Kai, von dem morgen unsere Fähre nach Süden ablegt. Die wird uns dann binnen drei Stunden hoffentlich sicher auf die andere Insel bringen. Wenn wir Glück haben hält das Wetter. Wenn nicht schlagen die "Roaring fourties" zu und es wird windig. Egal, Manu hat ihre Anti-Kotz-Bänder (funktionieren garantiert... wenn man dran glaubt oder so *duck&renn* und ich häng mich notfalls über die Reeling). Ab morgen sollte das Land dann noch leerer werden, denn die Südinsel ist zwar fast doppelt so groß, hat aber nur die Hälfte der Einwohner. Schauen wir mal...
P.S: GG hat sich heute vom Te Papa inspirieren lassen und wollte keine Fotos. Blödes Federviech. Außerdem haben wir heute zu unserem Erschrecken entdeckt, dass er ja gar keine Füße hat. Da ist er hier ja genau richtig auf der Insel der behinderten Vögel...