Nachdem ich mit den Delphinen in der Bay of Islands nicht so wahnsinnig viel Glück hatte (meist hab ich ja irgendwelche Hinterköpfe von alten Damen gesehen, die sich unerklärlicherweise plötzlich materialisierten, wenn die Viecher aus dem Wasser kamen), gab es in Kaikoura nochmal die Chance auf große Meeresbewohner. Die Geografie des Seebodens macht es möglich: nur ein paar hundert Meter vor der Küste fällt der auf bis 1600 Meter Tiefe (in einer Animation ohne Wasser ein recht beeindruckender Canyon). Zusammen mit den passenden Meeresströmungen sorgt das für die perfekte Futterstelle für verschiedene Walarten, die in Kaikoura so dicht an die Küste kommen, wie nirgends sonst. Was macht der geschäftstüchtige Neuseeländer? Er schippert Touris mit nem Boot raus zum Angucken und knöpft ihnen dafür Geld ab. (Fairerweise muss man sagen, dass die Trips so organisiert sind, dass jeder was zu sehen kriegt und ihr Geld damit absolut wert.)
Beim Finden von Walen sind die Leute übrigens extrem erfolgreich: bei 95% aller Fahrten finden sie welche an der Oberfläche. Zu sehen ist ja nur ein kleiner Teil des Walkörpers: ein wenig vom Kopf mit dem Atemloch. Die Tiere verharren zwischen 2 und 15 Minuten an der Oberfläche um Luft zu holen, bevor sie sich wieder für bis zu eine Stunde unter Wasser auf die Jagd begeben und dabei Tauchtiefen über 1000 Meter erreichen. Die Leute vom Whale Watching sehen anscheinend genau, wann der Wal das letzte Mal Luft holt, bevor er zum Tauchen ansetzt. Man hat also beste Chancen die Kamera scharf zu machen um gute Fotos von der Schwanzflosse zu kriegen. Schon beeindrucken, wenn die sich plötzlich aus dem Wasser erhebt, weil das Tier senkrecht nach unten schießt.
In der Bucht hält durchaus noch andere interessante Dinge für den geneigten Betrachter bereit. So gibt es dort bspw. den Königsalbatros, einen Vogel mit beeindruckenden 3 Metern Flügelspannweite. Die wollte er uns zwar erst partout nicht zeigen und schwamm nur die ganze Zeit nur wie eine übergroße Ente auf dem Wasser rum, aber nachdem wir ihn versehentlich beinahe überfahren hätten (war nicht direkt Absicht. Der saß blöderweise im Weg.) hob er dann doch ab, was ziemlich schräg aussieht.
Ganz vorbei war unser Spaß auf dem Meer aber auch damit noch nicht: in der Bucht gibt es auch eine ganze Menge Delphine. Eine weitere Chance für Fotos, nachdem die Bay of Islands diesbezüglich ein Reinfall war. Man muss glasklar sagen: die Touren beim Whale Watching sind deutlich besser organisiert. Die Leute stehen sich schlicht nicht gegenseitig im Weg, weil die Boote nicht so vollgepackt sind. Wir hatten Glück: eine Schule von vielleicht 50 Tieren tummelte sich kurz vor der Küste um Wasser. Das faszinierende ist: die haben keine Angst vor den Booten, sondern umschwimmen die neugierig. Man hätte die quasi fast anfassen können (bzw. kann das tatsächlich, wenn man das Schwimmen mit den Delphinen bucht). Ach ja: einen echten Fisch haben wir an dem Tag auch noch gesehen. Die Bucht hält auch beeindruckend große Haie bereit. Der war allerdings so irritiert von dem Boot, dass er verschwunden war, bevor ich ein Foto machen konnte.
Nach der Einstimmung morgens war für das Mittagessen natürlich Fisch quasi verpflichtend. Zufällig hing am Auto ein Werbezettel eines Sea-Food-Grills, der ganz in der Nähe war und so sind wir dann auch den Verlockungen der bunten Werbewelt erlegen und dorthin gefahren. In einem Anfall von Im-Urlaub-kann-man-ja-mal-was-ausprobieren haben wir uns für Crayfish (eine Krebsart) entschieden und waren überrascht, wie lecker das ist. Frisch gestärkt und mit aufgefüllten Vorräten ging es dann weiter, Küken einsammeln. Schließlich stand uns ja der Kaikoura Coast Track bevor...