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Samstag, 21. März 2009[NZ09] "Diesen Weg auf den Höh'n..." - Kaikoura Coast TrackDer Zufall wollte es, dass wir an der Küste von Kaikoura eine Mehrtageswanderung gebucht hatten (Zufällig war das wirklich: Manu hatte in dem Katalog unseres bevorzugten Outdoorausrüsters einen Artikel gelesen, in dem zwei Leute diesen Track gewandert sind und nachdem sich der ursprüngliche Plan im Süden zerschlagen hatte, einfach mal geguckt.). Der Kaikoura Coast Track ist ein privater Wanderweg, der über das Land dreier riesiger Farmen an der Küste führt. Und wie jemand auf der Nordinsel mal meinte: drei Farmen können auf der Südinsel ein kleines Land bilden. Die sind hier einfach riesig, weil die Südinsel zwar nur knapp über eine Millionen Einwohner hat, aber sogar noch größer ist, als die Nordinsel. Platz zum Laufen war also genug. Bei der Ankunft an der Staging Post, dem Start und Ziel der Route, war die Überraschung erstmal (nur bedingt gut) auf unserer Seite: unsere Partner für die drei Tage waren durchweg ältere Leute. Drei Australier in die 60 und zwei neuseeländische Damen weit über 70 hatten sich in der Hütte schonmal häuslich eingerichtet. Naja, wir haben halt beschlossen das beste draus zu machen. Letzten Endes stellten die Damen und Herren sich als recht nett und aufgeschlossen heraus. Einer sprach sogar etwas Deutsch (soviel man halt spricht, wenn man vor 50 Jahren in der Schule mal 3 Jahre Deutsch hatte). Tag 1: Staging Post zur Ngaroma FarmDer Track führt an drei Tagen über das Land der verschiedenen Farmen und endet schließlich wieder an dem Ort der ersten Übernachtung (wo man auch Koffer, Auto etc. zurücklässt). Die erste Tagesetappe geht über 12 Kilometer vom Startpunkt im Wald zur Ngaroma Farm. Zwischen diesen beiden Punkten liegen hauptsächlich Berge, was die Wanderung doch einigermaßen anstrengend macht. Die drei beteiligten Farmer haben schon vor vielen Jahren damit begonnen Teile des Farmlandes abzusperren und der Natur zurückzugeben, so dass der erste Teil der Tracks auf einem schmalen Pfad quer durch's Unterholz ging. Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren (speziell Vögeln) war schon beeindruckend. Später musste dann von Zeit zu Zeit mal wieder ein Weidezaun überquert werden, was sich aber mit den schon bekannten Stufen recht einfach macht (wie am Küken im Bild zu sehen). Der ging es übrigens an dem Tag gar nicht gut, so dass ich mich dann mit zwei Rucksäcken vergnügt habe *männlichaufdiebrustklopf*. Ähem... (Mitgebrachtes) Mittagessen gab es dann in einer Hütte, von der man den "6-Milliarden-Dollar-Blick" hat, wie es mal in einem Zeitungsartikel bezeichnet wurde. Die Eigentümer der Farm hatten ein Angebot für ihr Land bekommen und scherzhaft abgelehnt, dass sie nicht unter 6 Milliarden Dollar akzeptieren würden. Der Blick war auch wirklich toll. Weit über das Land bis in die Berge hinter Kaikoura und auf den Ozean. Das Wetter trug seinen Teil bei: strahlender Sonnenschein (diesmal war ich vorbereitet, nachdem ich mit ja in den ersten Tagen peinlicherweise ausgerechnet die Geheimratsecken verbrannt hatte. Ähem... kann ja keiner dran denken, dass die Stirn doch plötzlich etwas länger ist als früher...), relativ wenig Wind, angenehme Temperatur und gute Sicht. Passte also alles zusammen. Von der Hütte turnte der Track relativ zügig bergab in Richtung Tagesziel. Unterwegs waren wie auch schon bergauf immer mal wieder interessante Pflanzen beschriftet, damit man wenigstens auch noch ein wenig Bildung abbekam. Der Blick aus dem Fenster der Ngaroma-Farm stand übrigens den Ausblicken auf den Bergen in nichts nach, wie man auf dem Foto erkennen kann. Sonnenunter- und Mondaufgang produzierten sehr schöne Bilder. Für's Abendessen haben wir uns noch etwas besonderes gegönnt: Lammsteaks. Bruce, der Hausherr hatte am Tag ein Lamm geschlachtet und so konnten wir uns mit lecker Fleisch eindecken. Weniger cool war leider die Nacht. Zumindest Anja und mir ging das Haus ein wenig auf den Keks mit knackenden Balken und quietschenden Türen. Manu hat zwar geschlagen, wie ein Stein, aber wir sind immer wieder wach geworden. Zumal sich eine unserer Begleiterinnen gegen Morgen auch noch überlegt hat, dass es ja besser wäre, die Türen offen zu lassen. So kriegt wenigstens gleich jeder mit, wenn man sich miteinander unterhält und alle werden gleichzeitig wach. *gnaaa* Tag 2: Ngaroma Farm zur Medina FarmEigentlich, ja eigentlich war der zweite Tag gedanklich zur Entspannung gedacht. Anja sollte sich bei einem Strandspaziergang etwas erholen können und auch wir wollten die müden Beine etwas schonen. Tja... "Naive Stadtkinder" werden sich unsere offenbar wandererprobten Begleiter gedacht haben. Strand ist jedenfalls kein Spaziergang. Zwar geht es kilometerweit gerade hin, dafür macht allerdings der Sand das Laufen schwer. Speziell der Strand an der Küste vor Kaikoura besteht teilweise aus feinsten Steinchen, die sich wunderbar unter den Füßen verschieben und jeden Schritt anstrengend machen. Entschädigt wird man für die Anstrengung mit der Gelegenheit, an einem quasi menschenleeren Strand auf Seelöwen zu treffen. Die kommen dort an Land um sich auszuruhen und in die Sonne zu legen und genießen es scheinbar für die Touristen zu posieren. Da der Strand privates Land ist, sind die Touristen allerdings recht selten, weswegen man die Tiere quasi für sich allein hat. Man sollte ihnen nur nicht zu nahe kommen. Da reagieren sie recht zickig und so ein Tier kann wohl durchaus Schaden machen. Aber selbst unser übereifriger Ex-Biolehrer ist glimpflich davongekommen, weil er nach dem ersten Zucken des Tieres verstanden hat. Mittagessen gab's dann an einer alten Māori-Raststelle direkt am Strand. Alle Utensilien zum Wasser kochen (sprich: Holz vom Strand, Feuerstelle, Zeug zum Anzünden, Töpfe und natürlich Trinkwasser) waren vorhanden, so dass wir da wenig Probleme hatten. Ich bin ja immer fasziniert, wenn über dem offenen Feuer gekocht wird. Und wenn's bloss Wasser ist. Wahrscheinlich auch wieder so ein Stadtkind-Ding. Was dort noch zum Essen verfügbar war: Tütensuppe. Total komisches Zeug: weißes Pulver macht rote Tomatensuppe. Schräg... Nach dem Mittagessen ging's weg von der Küste. Nach einem kurzen Weg über eine Wiese oberhalb der Klippen (Windig! Manu und Küken haben spontan versucht das Fliegen zu lernen.) ging es durch ein tiefes Tal zur Medina Farm. Das Tal ist bereits seit 1982 als Reservat abgesperrt, so dass sich der Urwald dort schon seit geraumer Zeit ausbreiten konnte. Unser eh schon anstrengender Tag am Strand wurde also noch ein wenig heftiger. Die Farm selbst liegt etwa 80 Meter über dem Meeresspiegel. Diese 80 Meter wollen erstmal erklommen wollen. das geschieht hauptsächlich auf dem letzten Anstieg, der mit einem netten Schild versehen ist. Man beachte besonders den Tierschädel auf dem Bild. Wir haben's aber trotzdem überlebt und wurden mit einer sehr coolen Unterkunft für die Nacht entschädigt. Die Besitzer der Medina Farm haben ein altes Gartenhäuschen aufwändig renoviert und zur Unterkunft für bis zu vier Leute umgebaut. Die Hütte steht inmitten einer Schafweide, was natürlich meiner Holden sehr gut gefallen hat. Zumal (dank des anwesenden Besitzers) die Schafe etwas zutraulicher waren und gestreichelt werden konnten. Am Abend haben wir uns dann noch fotografisch etwas ausgetobt. Die Farm liegt knapp 25 km von der nächsten menschlichen Siedlung entfernt, was die Lichtverschmutzung auf ein Minimum reduziert. Der klare Himmel zeigte also wirklich Millionen von Sternen. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, schonmal soviele gesehen zu haben. Am liebsten hätte ich mit eine 180° Fisheye-Objektiv den gesamten Himmel auf einmal fotografiert. Glücklicherweise ging auch der Mond recht spät auf, so dass wir genug Zeit mit den Sternen allein hatten. Tag 3: Medina Farm zur Staging PostDer dritte Tag bot nochmal Berge satt. Direkt vom Start weg ging es heftig bergan, bis gegen die Mittagszeit mit 628 Meter ü.NN. fast der Gipfel des Mt. Wilson erreicht war. Dort gab es wieder eine Hütte mit Wasser und Kochutensilien, so dass wir gemütlich essen und den Ausblick geniesen konnten. Leider war der Himmel nicht komplett klar, so dass wir etwas weniger gesehen haben, als am ersten Tag. Total faszinierend: mitten in der Pampa, einige Kilometer von der nächsten menschlichen Behausung hatte die Hütte ein Klo mit Wasserspülung. Ich war echt begeistert. Der Abstieg war dann recht gemütlich, wenn auch lang. Am frühen Nachmittag erreichten wir wieder die Staging Post. Müde Beine, dreckige Schuhe (und andere Klamotten), aber froh über die gelungenen drei Tage. Nach einer kurzen Fahrt nach Süden saßen wir entspannt in Christchurch. Gestern abend gab es zivilisiert im Restaurant lecker indisches Essen. Das Backpackers hatte WLAN, die Zivilisation hatte uns wieder. Heute mussten wir uns allerdings erstmal wieder trennen. Anja ist mit ihren Gasteltern unterwegs und für uns ging es weiter nach Süden. Es gibt schließlich noch so einiges zu sehen... Ach ja: GGs Abenteuer sollen euch natürlich auch nicht vorenthalten werden. Am ersten Tag hatte er mit einem Kumpel einen kleinen Berg erklommen und das Wasserklo am dritten Tag hat ihn so fasziniert, dass er es gleich probieren musste. Aus Gründen der Diskretion ist er dabei kaum zu sehen... Trackbacks
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