Hach ja, von wegen "four seasons in one day": bisher hatten wir ja fast immer perfektes Wetter (von Auckland mal abgesehen). Heute hat's dafür dann zugeschlagen. Schon heute morgen noch so im Halbschlaf dachte ich mir: 'Klingt irgendwie nach Regen...' und als wir dann beim Frühstück saßen hatte es sich schon so richtig schön eingeregnet. Etwas ärgerlich, wollten wir doch eigentlich die botanischen Gärten in Christchurch besuchen. Naja, wir haben dann mal lieber drauf verzichtet und uns stattdessen auf den Weg nach Süden gemacht.
Was macht man, wenn man für eine Reise zu einem festen Punkt (wir hatten das Backpackers schon gebucht) unerwartet viel Zeit hat? Richtig: man fährt einen Umweg. Statt uns direkt dem Highway 1 zuzuwenden haben wir uns lieber über die 73 aus Christchurch rausgeschlichen und zuerst das Rakaia Gorge angefahren. Der Rakaia River wird dort von den Bergen in ein relativ schmales Bett gezwungen, was ihn natürlich eingemaßen schnell macht. Das Wasser des Flusses ist unvorstellbar blau, wie viele Gewässer hier. Bilder können da eigentlich nur bedingt einen Eindruck vermitteln. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was diese Farbe verursacht, aber man kommt sich jedesmal vor, als wäre man mitten in einer Postkarte von einer tropischen Insel gelandet.
Das nächste Ziel der Reise waren die Sharplin Falls. Nach den anstrengenden drei Tagen an der Küste von Kaikoura wollten wir die Beine vorsichtig wieder an einer langsamere Gangart gewöhnen und uns dabei noch einen Wasserfall anschauen. Der Sharplin Falls Walk ist mit knapp 45 Minuten angegeben, als nach Neuseeland-Zeit sind das tatsächlich etwa 30. Problem: wie schon geschrieben hatte sich schon am Morgen in Christchurch der Regen zu Wort gemeldet und der wollte uns jetzt auch nicht ganz verlassen. Aber: wir sind ja nicht aus Zucker (eigentlich schon, aber der ist so gut in uns versteckt, dass er nicht wasserlöslich ist...) und so wurden die Regenklamotten ausgepackt. Tja... die 30 Minuten quer durch den Wald, bergauf und -ab waren durchaus... interessant. Nicht nur dass es wirklich klatschnass war (meine Jeans trocknen immernoch. Ich hätte doch die Regenhose anziehen soll. Dachte halt, die Jacke wäre genug.), nein, zu allem Überfluss wird auch gerade noch an dem Track gebaut, so dass überall Schlammlöcher waren. Zumindest die Art von Schlamm, die sich trocken ganz gut ausbürsten lässt. Die Sharplin Falls als solche waren dann nicht wahnsinnig beeindruckend, aber der Weg dorthin war schon auf eine kranke Art cool.
Nach der Dusche wollten wir dann allerdings wirklich weiter zu unserer Unterkunft. Weit war es auch nicht mehr (zum Glück). Und nach weit über 2000 km hinterm Steuer hatte ich dann doch mal keine Lust mehr und meine Holde musste ran. Anfangs noch etwas wackelig (kein Wunder, falsche Straßenseite) hat sie uns dann aber doch sicher nach Timaru gebracht, wo wir die Nacht verbringen. Wir haben (mal wieder, passiert in Backpackers öfter) einen interessanten Menschen getroffen. Ein Japaner, der schon oft in Neuseeland war, alle touristischen Attraktivitäten schon gesehen hat (oder zumindest der Meinung ist) und sich diesmal daher was interessantes ausgedacht hat: er bereist das Land nach Golfplätzen. In 5 Wochen will er auf möglichst vielen von Neuseelands Golfplätzen spielen und ein Buch darüber schreiben. Schon verrückt.
Eine Sache ist mir auf der Fahrt heute wieder aufgefallen, die mich schon öfter belustigt hat: das Verhältnis der Neuseeländer zu Oberfläche ihrer Straßen. Grundsätzlich kann man hier grob 4 Kategorien von Straßen unterscheiden: Straßen, die an deutsche Standards herankommen, Straßen die was aushalten müssen, Straßen auf denen der durchschnittliche Deutsche sein Auto nicht freiwillig bewegen würde und Straßen, auf denen der durchschnittliche Deutsche sein Auto nicht bewegen kann. Die erste Kategorie findet sich meist innerorts. Angenehme Oberfläche, glatt, wunderbar. Die zweite Kategorie befindet sich zumindest auf den langen Strecken zwischen zwei Orten. Durch die Distanzen, die es zu überbrücken gilt sind einfach zu groß, als dass man ständig Leute zum reparieren vorbeischicken könnte. Daher wird dort ein Belag mit recht grobem Split als Abschluss verbaut, der wohl sehr lang durchhält ohne Fahrrillen zu bilden. Nachteil: klingt ein wenig wie Kopfsteinplaster (aus dem Auto) oder ein Tiefflieger (neben der Straße). Auf die Dauer nervt diese Art von Belag ein wenig. Tja... in die dritte Kategorie fallen die besseren Gravel Roads. Man muss dazu folgendes wissen: nur weil ein Ort touristisch erschlossen ist, heißt das nicht, dass es auch eine Straße dorthin geben muss. Ein Feldweg tut's doch auch. Dieser Feldweg kann durchaus mal Bestandteil einer Fernverkehrsstraße sein (so zum Beispiel die letzten 15 Kilometer auf dem Weg zu Cape Reinga), was dann durchaus 100 km/h darauf erlaubt. Nicht dass man das fahren wollte, aber es wäre erlaubt (und wird, wie im Bild zu sehen, auch explizit beschildert. Dort stehen zwar nur 70, aber das gibt es durchaus auch mit 100). Die letzte Kategorie sind dann Feldwege auf denen Allrad Pflicht ist. Die können auch mal überquert werden müssen um zu touristisch interessanten Orten zu gelangen. So bin ich heute zum Beispiel an zu tiefem Kiesbelag gescheitert, als wir uns einen See anschauen wollten. Auch die Distanzen, die mit solchen Feldwegen überbrückt werden, sind interessant. Nicht so 1-2 km, sondern durchaus mal 20 oder auch 60. Schon verrückt.
Wenn der Neuseeländer an einer Stelle keinen Feldweg hat, dann macht er sich halt einen. Straßen werden hier für Bauarbeiten üblicherweise nicht gesperrt. Man reißt erstmal die gesamte Oberfläche weg, kippt Schotter hin und lässt dann die Autos durch die Baustelle hacken. Immer wenn auf der Landstraße ein 30-Schild mit "Stop on request" darunter kommt kann man sich schonmal auf sowas einstellen. Meist steht dann dort ein einzelnes Männchen an der Straße und hält ein Stoppschild. Wenn die Luft rein ist dreht er das rum und es zeigt "Go". Die ausgefeiltere Variante war dann sogar ein Auto mit "Pilot Car. Follow me", das den ganzen Tag in der Baustelle hin und her gefahren ist und die Autos auf die andere Seite gelotst hat. Ampelregelungen sieht man hingegen selten. Anscheinend lohnt es sich, lieber Leute für diesen Job zu bezahlen.