Laut der Cheforganisatorin (ich nenne sie "Gehirn", sehr zum Amüsement anderer Leute) werden die Catlins (die Landschaft an der Südspitze der Südinsel) gern von Touristen mit Zeitmangel ausgelassen. Wir wollten das anders machen und hatten die daher mit eingeplant. Bevor es aber in die abgelegeneren Teile Neuseelands ging, wollten wir uns noch unsere Dosis Rekordgefühl holen (ok, eigentlich ist hier laut Ortsschild jedes Kaff für irgendwas berühmt, aber das meine ich nicht). In Dunedin gibt es nämlich die laut Guiness-Buch der Rekorde steilste Straße der Welt. Auf 161 Meter Länge steigt diese um 47 Meter an, am steilsten Stück sogar im Verhältnis 1:2,86 (entspricht laut Wikipedia 35%). Die Straße ist damit fast so steil wie eine Treppe (und tatsächlich sind die Fußwege am steilsten Stück auch als Treppen ausgeführt. Im Bild steht die Hauswand und Manu übrigens gerade, das Geländer ist unerklärlicherweise schief. Ich hatte beim Hochfahren echt das Gefühl, der Mietwagen verreckt mir. Runterwärts fühlt man sich dafür wie auf einer Skischanze. Von dieser Art von Straßen gibt es noch mehr in Dunedin, was angeblich daran liegen soll, dass die Stadt nach dem Aufbau von Edinburgh geplant wurde ohne Rücksicht auf die vorhandene Landschaft zu nehmen (auch wenn ich gerade keine Quelle dafür finde).
Die Catlins sind hauptsächlich für ihre Küste berühmt und kaum irgendwo kann man die besser bewundern als auf Nugget Point. Durch Auswaschungen von weicherem Gestein blieben an dieser Küste eine Handvoll Felsen verstreut im Meer liegen die tatsächlich aussehen als hätte jemand dort übergroße Goldnuggets verloren. Hervorragendes Postkartenmaterial.
Die Nacht haben wir dann mitten im Nirgendwo ein paar Kilometer von Jack's Blowhole verbracht. Hinter dem merkwürdigen Namen verbirgt sich ein – durchaus beeindruckendes – Loch in der Erde, was eine unterirdische Verbindung zum Meer hat. Dadurch tosen in dem Kessel die ganze Zeit die Wellen und erzeugen eine interessante Geräuschkulisse.
Heute morgen (nach einer seeehr ruhigen Nacht zum Ausgleich für Dunedin. Wir hatten das Backpackers im Nirgendwo für uns allein.) wollten wir dann ein paar Wasserfälle besuchen. Die ersten, mit dem unaussprechlichen Namen "Purakaunui Falls" sind im Bild zu sehen. Auf dem Weg zu den zweiten haben wir unsere gute Tat für heute getan: wir haben einen Anhalter mitgenenommen. Schon auf dem Weg von Timaru nach Dunedin hatte es gepasst: der Mensch, der da den Daumen rausgehalten hatte, wollte ebenfalls zu unserem Ziel und so haben wir knapp 100 Kilometer lang das Auto geteilt. Heute sogar noch etwas länger: von tief in den Catlins bis kurz vor Queenstown (sein Ziel) hatten wir Begleitung durch einen Niederländer, der seit zwei Monaten über die Inseln tourt. Der war ganz froh darüber, dass wir ihn so weit mitgenommen haben. Gestern musste er nämlich für eine relativ kurze Fahrt insgesamt 10x das Auto wechseln, weil es nie so gepasst hat mit der Richtung.
Wenn man von Touristen mitgenommen wird, kommt man im allgemeinen etwas langsamer vorwärts. Dafür sieht man mehr, weil die ja an allen möglichen und unmöglichen Orten anhalten. So auch heute: nachdem wir nun nur fast ganz im Norden der Nordinsel waren, sollte es wenigstens die südlichste Spitze der Südinsel werden. Wir schaffen es leider nicht auf Stewart Island (beim nächsten Mal. Dass wir wiederkommen ist schon beschlossene Sache.), also wir das der südlichste Punkt unserer Reise bleiben. Von nun an geht es fast nur noch nach Norden. Morgen über die zweitgefährlichste Straße Neuseelands (sagen die Einheimischen. Wo liegt eigentlich die gefährlichste?) von Te Anau nach Milford Sound. Dort werden wir (immernoch nicht genug vom Wasser) auf einem Schiff übernachten. Man kann sich also denken: morgen kein Artikel.
Ah ja, falls sich jemand wundert, wie wir eigentlich zu den Orten kommen, die wir so anfahren. Also, im Prinzip ganz einfach: zuersteinmal haben wir einen Atlas, in dem alle möglichen und unmöglichen Sehenswürdigkeiten verzeichnet sind (so auch die Niagara Falls of New Zealand, die laut Aussage einer Anwohnerin sagenhafte 70 cm – ja, ein Tippfehler – hoch sein sollen). Zum anderen haben die hier ein extrem dichtes Netz von Informationspunkten. In quasi fast jeder größeren (im Sinne von: mehr als 5 Häuser) Siedlung gibt es eine sogenannte i-Site. Entweder als eigenständiges Gebäude oder in der lokalen Bibliothek etc. kann man dort von "Wo ist das nächste Klo?" bis "Können Sie die Pinguintour gleich buchen?" alles fragen und bekommt eigentlich immer geholfen. Mit einer unglaublichen Menge an Karten- und Informationsmaterial helfen die freundlichen Leute einem dort in quasi jeder Lebenssituation weiter. Das beste daran: alles kostenlos für ein freundliches "Dankeschön". Selbst wenn man mit ungewöhnlichen Fragen kommt (oder das, was wir dafür halten, bspw: auf welchen Weingütern um Blenheim kriegt man Mittagessen?) wird so lang recherchiert und diskutiert, bis eine zufriedenstellende Antwort gefunden ist. Im Prinzip könnte man komplett ohne Vorbereitung und Ahnung nach Neuseeland kommen, solange man weiß, wo das erste i-Site ist. Die Dinger sind auch praktischerweise immer kilometerweit ausgeschildert, so dass wir eigentlich nie Probleme haben, eins zu finden wenn sich eine Frage auftut.