3000 km Anlauf müssen ja für irgendwas gut sein. Und wenn's nur zum Kräfte sammeln ist. Wir haben heute auf dem Weg von Wanaka nach Fox Glacier erlebt, was es bedeutet, wenn Regenwolken nach 3000 km Ozean an den Bergen hängen bleiben: Regen. In unterschiedlichen Erscheinungsformen zwischen stark und sehr stark. Klingt erstmal schlimm, war es aber nicht. Der Tag war sowieso durch Autofahren geprägt, so dass wir die Sonne nicht allzu sehr vermisst haben. Außerdem hat der Regen einen entscheidenden Vorteil: innerhalb weniger Stunden prägen sich an den steilen Hängen der Berge hunderte von Wasserfällen aus. Keine kleinen Rinnsaale, sondern ausgewachsene Flüsse entstehenen spontan und stürzen sich den Berg runter. Ein faszinierender Anblick.
Ein solcher bot sich uns auch an einem der permanenten Wasserfälle: hunderte von kleinen Steintürmchen lagen dort aufgeschichtet auf einem Areal von vielleicht 100 m². Eine Erklärung dafür haben wir nicht gefunden. Eine dauerhafte Einrichtung kann das auch nicht sein: das Areal, auf welchem die Türmchen stehen wird von dem Fluss regelmäßig überschwemmt (spätestens im Frühjahr bei der Schneeschmelze), was die ganzen kunstvoll aufgeschichteten Steine einebnen dürfte. Ein ähnliches Bild ist uns später nochmal am Strand begegnet. Entweder haben wir was nicht verstanden oder das ist hier so eine Art Volkssport. Tante Google weiß auch keine rechte Antwort darauf. Wahrscheinlich einfach Gruppendynamik: einer fängt an und alle machen mit. Manu auch, die hat auch so einen Turm gebaut. Naja...
Was macht man an einem regnerischen Tag? Richtig, Outdoor-Aktivitäten. Halt, Moment... Eigentlich. Egal: wir sind trotzdem im Regen rumgelatscht. Der Grund war einfach: wir waren Geocachen. Wir hatten ja aus einem Cache in Ilmenau eine Geocoin mitgenommen, die nun nach Neuseeland wandern sollte. Und da sich unser Urlaub so langsam aber sicher dem Ende zuneigt, muss die auch platziert werden. Der Gates of H... Cache erschien uns dafür geeignet: tolle Umgebung, gut frequentiert (schließlich soll die Münze weiterwandern und vielleicht irgendwann mal wieder nach Europa zurückkommen) und vor allem: auf dem Weg! Der Cache selbst liegt an den Gates of Haast, einer Engstelle des Haast River, die von einer Brücke überquert wird. Nachdem der Wanderweg, an dem er liegt durch einen Steinschlag beschädigt wurde, ist der Cache zwar etwas kompliziert, aber trotzdem problemlos zu erreichen. Die Münze ruht nun da und wartet auf den nächsten Cacher.
Als wollte es sich für den total verregneten Tag entschuldigen hat das Wetter am Abend nochmal beschlossen etwas aufzudrehen. Kurz vor Sonnenuntergang riss der Himmel auf und fing an in den interessantesten Farbkombinationen zu leuchten. Das lässt hoffen für den morgigen Tag auf dem Gletscher...
Ah ja, ein (zumindest für mich) interessantes Detail aus der Māori-Kultur noch: der Haka. Dieser Kriegstanz dient vor einer Schlacht zum Mutmachen und zur Einschüchterung des Gegners. Zu diesem Zweck wird ein Text... naja, gesungen nicht, eher gebrüllt. Dazu wird in Formation getanzt und es werden Grimassen gezogen, die dem Gegner Angst machen sollen. Bekannt gemacht wurde der Haka hauptsächlich dadurch, dass die All Blacks, das neuseeländische Rugby-Nationalteam, einen speziellen Haka (den Ka Mate) vor ihren Spielen tanzen. Kann man eigentlich nur schwer erklären, muss man sich anschauen. Ich hab mal ein Video rausgesucht, welches das verdeutlicht. Zu sehen ist hier übrigens ein Spiel Neuseeland gegen Tonga. Die Nationalteam von Tonga antwortet hier mit dem Kailo/Sipi Tau. Die beiden Kriegstänze bringen das Publikum mal definitiv geeignet in Stimmung.