So ähnlich könnten wir heute geklungen haben. 13 000 Fuß oder – für deutsche Augen verständlicher – 4 300 Meter über dem Boden aus einem voll funktionstüchtigen Flugzeug auszusteigen ist sicherlich keine alltägliche Erfahrung. Anja hatte uns soviel davon vorgeschwärmt, dass zumindest ich mich überzeugen lassen hatte, es zu probieren. Nachdem wir dann letztens einen Anhalter mitgenommen haben der auch nochmal total begeistert auf Manu eingeredet hat, hatte sie sich spontan entschlossen, es auch zu tun. Tja, so saßen wir dann heute auf dem Flugfeld in Motueka und wollten mit einem kleinen ehemaligen Frachtflugzeug auf eben jene 13 000 Fuß klettern (was gut 15 Minuten dauert) um uns dann dem Erdboden entgegen zu stürzen (was knapp 5 Minuten dauert). Und da uns das ja sonst keiner glaubt hatten wir jeder einen Fotografen dabei.
Anja musste leider getrennt von uns aufsteigen, weil das Flugzeug zu klein für 9 Leute gewesen wäre (wir drei mit jeweils einem Tandem-Master und einem Fotografen). So konnten wir uns noch einige Minuten in leichter Nervosität üben, während 4000 Meter über uns jemand schon seinen Spaß hatte. Diese Höhe ist so hoch, dass man schon erste Schwierigkeiten hat, das Flugzeug zu sehen. Von den Leuten, die rausspringen ganz zu schweigen. Eigentlich sieht man überhaupt nur den kleinen Schirm, der zum Öffnen des Hauptschirms benutzt wird, bis sich plötzlich über einem eine Handvoll bunter Schirme entfaltet.
Vor dem Sprung erzählt einem jeder, dass das Gefühl unbeschreiblich ist. Tja... jetzt sind wir gesprungen und... ich kann's schlicht nicht beschreiben. Man hängt mit vier sehr stabilen Haken an seinem Tandem-Master. Der schiebt einen dann über die Kante der Flugzeugtür, so dass man im Prinzip schon frei über dem Boden schwebt. Ein grenzdebiles Grinsen für die Kamera und plötzlich ist man für einen kurzen Moment schwerelos. Danach setzt nach und nach ein massiver Wind von unten ein, der das Atmen schwierig macht (interessanterweise das Einatmen), wenn man mit über 200 km/h dem Boden entgegenfällt. Gut 50 Sekunden hat man Zeit mit dem Kameramann zu blödeln, der ständig um einen rumkreist, bis der Tandem-Master von 5 runterzählt und den Schirm öffnet.
Der Ruck wenn sich der Schirm öffnet ist erstaunlich sanft. Bei der Einführung wurde es als vergleichbar zu einer Notbremsung im Auto beschrieben, was es auch in etwa trifft. Plötzlich ist Ruhe. Eben noch 200 km/h Windgeschwindigkeit, nun kann man sich in Ruhe mit seinem Tandem-Master unterhalten und den Ausblick genießen. Und wie wir den heute genießen konnten: kein Wölkchen am Himmel, Ausblick bis an den Horizon. Mt. Taranaki, die Kaikoura Range, alles war zu sehen. Am Boden zieht man die Beine kurz an, damit der Tandem-Master sich um die Landung kümmern kann und schon hat die Erde einen wieder. Wenn's nicht so teuer wäre, hätten wir es wohl gleich nochmal gemacht...
Nachdem GG gehört hatte, was wir vorhaben hat er uns so lang bekniet, bis er mit durfte. Der Tandem-Master hat zwar verboten, dass er außen mitfliegt (bei 200 km/h wäre sein Gefieder zu sehr durcheinander geraten), aber er hatte in meiner Hosentasche mehr als genug Spaß. Am Boden kam er jedenfals (genau wie wir) nicht mehr aus dem Grinsen raus...