Das zweite Wanderhighlight in diesem Urlaub und das zweite mal passt ein Wanderlied dazu. Gut, fast: der Frühtau war eigentlich Frühreif, denn (wie wir in unseren zu kleinen Schlafsäcken leidvoll erfahren mussten) die Termperaturen lagen in der Nacht unter 0 Grad. Früh ging es tatsächlich los: 5:55 Uhr fuhr der Bus ab, der uns an den Startpunkt des Tongariro Alpine Crossing brachte. 19,4 Kilometer über die Kraterlandschaft des Tongariro-Nationalparks sollte es gehen (letzten Endes sind es mehr geworden, aber dazu später mehr.)
Es war noch komplett dunkel, als wir am Mangatepopo Car Park losgelaufen sind und das sollte auch noch für gut eine halbe Stunde so bleiben (fotografisch gesehen eher blöd, wandertechnisch sehr interessant). Zuerst ging's relativ gemütlich hin, immer dem Tal folgend bis zu den Soda Springs. Dort wartete (mittlerweile im Hellen) der erste Anstieg des Tages: innerhalb von knapp einem Kilometer will via Devil's Staircase der Rand des South Crater erklommen werden, immerhin schonmal 350 Höhenmeter zum warm werden. Der südliche Krater des Tongariro ist eigentlich eine relativ weite Ebene, die vom Crossing durchquert wird. Perfekt zum Ausruhen, bevor es zum nächsten heftigen Anstieg geht.
Vorher wartete mein persönlicher Höhepunkt der Wanderung: der Aufstieg zum Gipfel des 2291 Meter hohen Ngauruhoe (für alles, die's wissen wollen: der spricht sich in etwa "Naruho-ieh"). Dieser ist zwar eigentlich geologisch gesehen nur ein Nebenkrater des Tongriro, der dem Nationalpark den Namen gibt, ist aber viel höher als der Hauptkrater. Außerdem sieht er aus, wie ein kleines Kind einen Vulkan zeichnen würde: ein perfekt geformter Kegel mit einem Krater auf der Spitze. Unter anderem deswegen wurde er für die "Herr der Ringe"-Filme als Schicksalsberg ausgewählt.
Eigentlich gehört der Gipfel gar nicht zum Crossing. Allerding hatte ich mir fest vorgenommen, den Aufstieg zu versuchen. Knapp 600 Meter erhebt sich der Ngauruhoe über den South Crater. Diese 600 Meter haben es allerdings in sich: große Teile sind tiefe Vulkanaschefelder. Zwei Schritte vor, einen zurückrutschen. Dazu kommt, dass man dann in knapp 2000 Metern Höhe doch sehr deutlich merkt, wie die Luft dünn wird. Über eine Stunde hab ich letzten Endes für den Aufstieg gebraucht. Die Damen der Schöpfung haben von der Anstrengung lieber abgesehen (hier setze man in Meckerton dazu: "Und uns den Arsch abgefroren!") und waren am South Crater zurückgeblieben. Ist man allerdings erstmal auf dem Kraterrand angelangt, entschädigt der Blick (und das Gefühl, es geschafft zu haben) für alles. Ein atemberaubender Rundumblick über den Nationalpark auf die Gipfel des Tongariro und Ruhapeu erwartet einen. Tja, und wenn man das genossen hat, dann kommt der interessanteste Teil des Ganzen: der Abstieg. Oder eher: das Abgleiten, denn gut 500 Höhenmeter kannt man die steilen Aschefelder hinunterschliddern. 1,5 Stunden rauf, 20 Minuten runter, das ist so die Formel auf die sich das Erlebnis bringen lässt. Ok, man sollte seine Schuhe nicht über alles lieben. Vulkanasche und -sand sind scharfkantig.
Stolz wie Oskar kam ich wieder im South Crater an, nur um mir mein Ego vom Anstieg zum Red Crater gleich wieder zusammenstauchen zu lassen. Nochmal 250 Meter rauf, eine Sache die meinen Ngauruhoe-gestressten Beinen gar nicht gefallen wollte. Auf halber Höhe haben mich dann die beiden Mädels abgefangen (und erstmal für die Wartezeit zusammengestaucht. Ähem...) Der Red Crater kommt durch seine rote Asche (Schlacke? Fragt mich nicht...) zu seinem Namen. Keine Ahnung, wie die genau entsteht (oder wieso die mal gelb, mal weiß, rot oder schwarz wird), aber schickt sieht sie schon aus. Für geologisch Interessierte ist das Gebiet sowieso ein Traum. Für mich sieht das ja alles nur schön aus (und nötigt mir Respekt ab ob der Naturkräfte, die es geformt haben), aber wenn man davon auch noch Ahnung hat, dann kann man sich da richtig austoben.
Wie man sieht ist das ganze auch für Fotografen gut geeignet. Soviel beeindruckende Natur, dass man über's Fotografieren glatt das Laufen vergessen kann. Das wäre allerdings ungünstig gewesen, ist doch mit dem Aufstieg zum Red Crater weniger als die Hälfte des Crossings geschafft. Von dort an geht es fast nur noch bergab (von einem kurzen Anstieg zum Blue Lake – der einen schönen Māori-Namen hat: Te wai-whakalata-o-te Rangihiroa – abgesehen). Noch knapp 1000 Höhenmeter wollen abwärts überwunden werden, bis man das Crossing am Ketetahi Car Park dann beenden kann. Erschöpft, aber glücklich saßen wir nach knapp 10 Stunden im Bus zurück in unsere Unterkunft. Morgens waren die Scheiben des Autos gefroren, nachmittags konnten wir uns im T-Shirt in die Sonne setzen. Faszinierend.
GG war übrigens auch mit. Zusammen mit Henk hat er vor einem der Emerald Lakes posiert. Er fand übrigens die Luft auf dem Ngauruhoe überhaut nicht zu dünn. Kein Wunder: hat sich ja die ganze Zeit von mir tragen lassen, die faule Sau...
Generell ging es uns heute eigentlich recht gut. Leichter Muskelkater, aber sonst kein Problem. Wir tingeln nun so langsam weiter nach Norden in Richtung Auckland, denn am Dienstag geht ja schon der Flieger zurück in die Heimat. Selbst laufen war heute nicht so unser Fall, weswegen wir uns spontan ein paar Pferde plus Führerin geschnappt haben und ein wenig durch die Landschaft geritten sind. Naja, sagen wir's so: unsere Pferde sind größtenteils mit uns spazieren gegangen. Fühlte sich nicht direkt an, als hätten wir das Kommando. Anja konnte das ja schon ein wenig, aber Manu und ich waren dann doch größtenteils nur Gepäck. Spaß gemacht hat's trotzdem. Morgen geht's weiter in die größte Stadt Neuseelands (in der mehr als 25% der Leute wohnen). Nachdem wir uns heute nochmal um eine Übernachtung da gedrückt haben (Zwischenstation in Hamilton), werden wir morgen abend zum zweiten Mal versuchen auf dem Sky Tower zu essen (das erste Mal fiel ja aufgrund des Windes aus) und in der Stadt schlafen. Schauen wir mal.