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Donnerstag, 9. April 2009[NZ09] Wieder daSo, nachdem ich gestern nicht ganz unerwartet deutlich zu müde war, um noch einen Abschlussartikel zu schreiben, kommt der halt heute. Nach wieder mal viel zu vielen Stunden im Flugzeug (und der Bahn) sind wir wieder in Deutschland. Was bleibt vom Urlaub?
Insgesamt war's ein richtig genialer Urlaub. Wir haben jedenfalls schon kurz nach Beginn des Urlaubs beschlossen, dass wir wieder fliegen. Nicht gleich morgen, aber auch nicht erst zur Rente. So, jetzt läuft der Kiwi erstmal wieder aus dem Blog-Design. Muss er ja, fliegen kann er ja nicht... Montag, 6. April 2009[NZ09] Abschlussessen hoch obenNachdem ja nun morgen nachmittag unser Flieger zurück in die Heimat geht wollten wir heute den Abschluss des Urlaubs nochmal ein kleinwenig feiern. Da das Wetter heute sehr gut war konnten wir das im Orbit Restaurant des Sky Towers in Auckland tun. In knapp 200 Metern Höhe kann man dort sein Abendessen genießen und sich in einer Stunde einmal um den Turm drehen lassen. Extrem lohnenswert, denn wenn man mindestens für 30 Dollar isst, bekommt man die Fahrt auf den Turm und den Zutritt zur Aussichtsplattform kostenlos. Sonst kostet das 25 Dollar. Und das Essen ist sein Geld auf jeden Fall wert. Nach dem Essen (mit Sonnenuntergang) haben wir uns noch ein paar Minuten auf der Aussichtsplattform gegönnt. Als besonderes Erlebnis kann man dort über einen verglasten Boden laufen: in der Höhe auch mal was ungewöhnliches. Generell haben die Erbauer des Turms Wert darauf gelegt, dass man fast überall rausgucken kann. Selbst ein Teil des Fahrstuhlbodens besteht aus Glas und erlaubt so den Blick in den Schacht. Da ist es dann nur folgerichtig, dass man das Höhenerlebnis auf die Spitze treiben kann: mit Sky Walk und Sky Jump bietet sich dort die Möglichkeit auch außen am Turm Höhenluft zu schnuppern. Für den Sky Walk wird man mit eine Seil gesichert und kann auf einem Gitter vor den Fenstern des Restaurants rumturnen (nix für mich: vielleicht 70 cm breit und 193 Meter über dem Boden). Will man das ganze noch steigern, so kann man vom Turm springen: beim Sky Jump wird man an ein Stahlseil gespannt und mit hoher Geschwindigkeit vom Turm abgeseilt. Quasi wie Bungee, nur mit Landung neben dem Turm (erst recht nix für mich. *brrr*). Morgen geht's dann ganz gemütlich gen Flughafen, bevor wir uns ab Nachmittag (Zeit hab ich grad vergessen) wieder für 24 Stunden in verschiedenen Flugzeugen mehr oder minder wohlfühlen dürfen. Ich hoffe ja mal, das Qantas einen Teil des Videoangebotes ausgetauscht hat... Sonntag, 5. April 2009[NZ09] Nachtrag: Lila (und Pink) schützt vor Schwangerschaft...[NZ09] Im Frühtau zu Berge...Das zweite Wanderhighlight in diesem Urlaub und das zweite mal passt ein Wanderlied dazu. Gut, fast: der Frühtau war eigentlich Frühreif, denn (wie wir in unseren zu kleinen Schlafsäcken leidvoll erfahren mussten) die Termperaturen lagen in der Nacht unter 0 Grad. Früh ging es tatsächlich los: 5:55 Uhr fuhr der Bus ab, der uns an den Startpunkt des Tongariro Alpine Crossing brachte. 19,4 Kilometer über die Kraterlandschaft des Tongariro-Nationalparks sollte es gehen (letzten Endes sind es mehr geworden, aber dazu später mehr.) Es war noch komplett dunkel, als wir am Mangatepopo Car Park losgelaufen sind und das sollte auch noch für gut eine halbe Stunde so bleiben (fotografisch gesehen eher blöd, wandertechnisch sehr interessant). Zuerst ging's relativ gemütlich hin, immer dem Tal folgend bis zu den Soda Springs. Dort wartete (mittlerweile im Hellen) der erste Anstieg des Tages: innerhalb von knapp einem Kilometer will via Devil's Staircase der Rand des South Crater erklommen werden, immerhin schonmal 350 Höhenmeter zum warm werden. Der südliche Krater des Tongariro ist eigentlich eine relativ weite Ebene, die vom Crossing durchquert wird. Perfekt zum Ausruhen, bevor es zum nächsten heftigen Anstieg geht. Vorher wartete mein persönlicher Höhepunkt der Wanderung: der Aufstieg zum Gipfel des 2291 Meter hohen Ngauruhoe (für alles, die's wissen wollen: der spricht sich in etwa "Naruho-ieh"). Dieser ist zwar eigentlich geologisch gesehen nur ein Nebenkrater des Tongriro, der dem Nationalpark den Namen gibt, ist aber viel höher als der Hauptkrater. Außerdem sieht er aus, wie ein kleines Kind einen Vulkan zeichnen würde: ein perfekt geformter Kegel mit einem Krater auf der Spitze. Unter anderem deswegen wurde er für die "Herr der Ringe"-Filme als Schicksalsberg ausgewählt. Eigentlich gehört der Gipfel gar nicht zum Crossing. Allerding hatte ich mir fest vorgenommen, den Aufstieg zu versuchen. Knapp 600 Meter erhebt sich der Ngauruhoe über den South Crater. Diese 600 Meter haben es allerdings in sich: große Teile sind tiefe Vulkanaschefelder. Zwei Schritte vor, einen zurückrutschen. Dazu kommt, dass man dann in knapp 2000 Metern Höhe doch sehr deutlich merkt, wie die Luft dünn wird. Über eine Stunde hab ich letzten Endes für den Aufstieg gebraucht. Die Damen der Schöpfung haben von der Anstrengung lieber abgesehen (hier setze man in Meckerton dazu: "Und uns den Arsch abgefroren!") und waren am South Crater zurückgeblieben. Ist man allerdings erstmal auf dem Kraterrand angelangt, entschädigt der Blick (und das Gefühl, es geschafft zu haben) für alles. Ein atemberaubender Rundumblick über den Nationalpark auf die Gipfel des Tongariro und Ruhapeu erwartet einen. Tja, und wenn man das genossen hat, dann kommt der interessanteste Teil des Ganzen: der Abstieg. Oder eher: das Abgleiten, denn gut 500 Höhenmeter kannt man die steilen Aschefelder hinunterschliddern. 1,5 Stunden rauf, 20 Minuten runter, das ist so die Formel auf die sich das Erlebnis bringen lässt. Ok, man sollte seine Schuhe nicht über alles lieben. Vulkanasche und -sand sind scharfkantig. Stolz wie Oskar kam ich wieder im South Crater an, nur um mir mein Ego vom Anstieg zum Red Crater gleich wieder zusammenstauchen zu lassen. Nochmal 250 Meter rauf, eine Sache die meinen Ngauruhoe-gestressten Beinen gar nicht gefallen wollte. Auf halber Höhe haben mich dann die beiden Mädels abgefangen (und erstmal für die Wartezeit zusammengestaucht. Ähem...) Der Red Crater kommt durch seine rote Asche (Schlacke? Fragt mich nicht...) zu seinem Namen. Keine Ahnung, wie die genau entsteht (oder wieso die mal gelb, mal weiß, rot oder schwarz wird), aber schickt sieht sie schon aus. Für geologisch Interessierte ist das Gebiet sowieso ein Traum. Für mich sieht das ja alles nur schön aus (und nötigt mir Respekt ab ob der Naturkräfte, die es geformt haben), aber wenn man davon auch noch Ahnung hat, dann kann man sich da richtig austoben. Wie man sieht ist das ganze auch für Fotografen gut geeignet. Soviel beeindruckende Natur, dass man über's Fotografieren glatt das Laufen vergessen kann. Das wäre allerdings ungünstig gewesen, ist doch mit dem Aufstieg zum Red Crater weniger als die Hälfte des Crossings geschafft. Von dort an geht es fast nur noch bergab (von einem kurzen Anstieg zum Blue Lake – der einen schönen Māori-Namen hat: Te wai-whakalata-o-te Rangihiroa – abgesehen). Noch knapp 1000 Höhenmeter wollen abwärts überwunden werden, bis man das Crossing am Ketetahi Car Park dann beenden kann. Erschöpft, aber glücklich saßen wir nach knapp 10 Stunden im Bus zurück in unsere Unterkunft. Morgens waren die Scheiben des Autos gefroren, nachmittags konnten wir uns im T-Shirt in die Sonne setzen. Faszinierend. GG war übrigens auch mit. Zusammen mit Henk hat er vor einem der Emerald Lakes posiert. Er fand übrigens die Luft auf dem Ngauruhoe überhaut nicht zu dünn. Kein Wunder: hat sich ja die ganze Zeit von mir tragen lassen, die faule Sau... Generell ging es uns heute eigentlich recht gut. Leichter Muskelkater, aber sonst kein Problem. Wir tingeln nun so langsam weiter nach Norden in Richtung Auckland, denn am Dienstag geht ja schon der Flieger zurück in die Heimat. Selbst laufen war heute nicht so unser Fall, weswegen wir uns spontan ein paar Pferde plus Führerin geschnappt haben und ein wenig durch die Landschaft geritten sind. Naja, sagen wir's so: unsere Pferde sind größtenteils mit uns spazieren gegangen. Fühlte sich nicht direkt an, als hätten wir das Kommando. Anja konnte das ja schon ein wenig, aber Manu und ich waren dann doch größtenteils nur Gepäck. Spaß gemacht hat's trotzdem. Morgen geht's weiter in die größte Stadt Neuseelands (in der mehr als 25% der Leute wohnen). Nachdem wir uns heute nochmal um eine Übernachtung da gedrückt haben (Zwischenstation in Hamilton), werden wir morgen abend zum zweiten Mal versuchen auf dem Sky Tower zu essen (das erste Mal fiel ja aufgrund des Windes aus) und in der Stadt schlafen. Schauen wir mal. Mittwoch, 1. April 2009[NZ09] Entspannte Tage in der Nelson AreaDas Blog wird etwas ruhiger, man merkt es schon: wir lassen es grad recht gemütlich angehen. Ein paar Tage entspannen, bevor nochmal zwei anstrengende Dinge auf uns warten: das Tongariro Crossing und der Rückflug. Im Moment genießen wir aber noch die Gastfreundschaft der Südinsel in Form von Anjas Kiwi-Familie. Damit uns nicht zu langweilig wird unternehmen wir natürlich noch das ein oder andere. Gestern war kayaken (oder schreibt sich das mit j? *dudenkonsultier* Tut man.)... wir waren also kajaken (hm, sieht noch blöder aus...) Nicht wie im Milford Sound in kleinen einsitzigen Böötchen in einer schön geschützten Bucht, sondern mit zweisitzigen, (fast) hochseetauglichen Kajaks in Richtung Split Apple Rock. Schon interessant, wenn man bei bis zu einem Meter Wellenhöhe rumrudert. Dabei kann man sich wunderbar mit seinem Kajakpartner rumstreiten bezüglich Paddelrhythmus etc. Ich mag meine Frau trotzdem noch (grad so). Das beste am Kajaken: um mit den Booten zu landen muss man sie volle Kanne auf den Strand rammen. Also mir hat das Spaß gemacht :) Heute ging's dann nochmal in den Norden. Wir wollten uns unbedingt noch die Pu Pu Springs anschauen. Ein Quelle klingt zwar auf den ersten Blick nicht so wahnsinnig spannend, aber diese hat es in sich. Im Schnitt stößt sie 14 m³ Wasser pro Sekunde aus, das so klar ist, dass die Sichtweite unter Wasser 63 Meter beträgt – nahe dem theoretischen Maximum für reines Wasser. Gespeist wird das ganze aus einem unterirdischen Reservoir, das schätzungsweise 1,5 km³ Wasser fasst. Allein die Fakten sind schon interessant, aber wenn man dann an der Quelle steht und einen Fluss aus dem Nichts entstehen sieht (wirklich einen Fluss, kein Bächlein. Zum Vergleich: die Ilm führt im Jahresdurchschnitt gerade mal 6 m³), dann ist das mehr als beeindruckend. Zumal das Wasser so klar ist, dass an wirklich ohne Probleme bis auf den Grund sehen kann (was bei einer Tiefe von bis knapp 7 Metern schon ungewöhnlich ist). Ab morgen geht es wieder ein wenig auf die Reise. Zurück Richtung Nordinsel und irgendwann nach Auckland (wir sind alle nicht wirklich begeistert). Schließlich wollen unsere Familien uns ja irgendwann wiedersehen. Gerüchteweise... Montag, 30. März 2009[NZ09] Aaaaaaaaaahhhhhhhh....So ähnlich könnten wir heute geklungen haben. 13 000 Fuß oder – für deutsche Augen verständlicher – 4 300 Meter über dem Boden aus einem voll funktionstüchtigen Flugzeug auszusteigen ist sicherlich keine alltägliche Erfahrung. Anja hatte uns soviel davon vorgeschwärmt, dass zumindest ich mich überzeugen lassen hatte, es zu probieren. Nachdem wir dann letztens einen Anhalter mitgenommen haben der auch nochmal total begeistert auf Manu eingeredet hat, hatte sie sich spontan entschlossen, es auch zu tun. Tja, so saßen wir dann heute auf dem Flugfeld in Motueka und wollten mit einem kleinen ehemaligen Frachtflugzeug auf eben jene 13 000 Fuß klettern (was gut 15 Minuten dauert) um uns dann dem Erdboden entgegen zu stürzen (was knapp 5 Minuten dauert). Und da uns das ja sonst keiner glaubt hatten wir jeder einen Fotografen dabei. Anja musste leider getrennt von uns aufsteigen, weil das Flugzeug zu klein für 9 Leute gewesen wäre (wir drei mit jeweils einem Tandem-Master und einem Fotografen). So konnten wir uns noch einige Minuten in leichter Nervosität üben, während 4000 Meter über uns jemand schon seinen Spaß hatte. Diese Höhe ist so hoch, dass man schon erste Schwierigkeiten hat, das Flugzeug zu sehen. Von den Leuten, die rausspringen ganz zu schweigen. Eigentlich sieht man überhaupt nur den kleinen Schirm, der zum Öffnen des Hauptschirms benutzt wird, bis sich plötzlich über einem eine Handvoll bunter Schirme entfaltet. Vor dem Sprung erzählt einem jeder, dass das Gefühl unbeschreiblich ist. Tja... jetzt sind wir gesprungen und... ich kann's schlicht nicht beschreiben. Man hängt mit vier sehr stabilen Haken an seinem Tandem-Master. Der schiebt einen dann über die Kante der Flugzeugtür, so dass man im Prinzip schon frei über dem Boden schwebt. Ein grenzdebiles Grinsen für die Kamera und plötzlich ist man für einen kurzen Moment schwerelos. Danach setzt nach und nach ein massiver Wind von unten ein, der das Atmen schwierig macht (interessanterweise das Einatmen), wenn man mit über 200 km/h dem Boden entgegenfällt. Gut 50 Sekunden hat man Zeit mit dem Kameramann zu blödeln, der ständig um einen rumkreist, bis der Tandem-Master von 5 runterzählt und den Schirm öffnet. Der Ruck wenn sich der Schirm öffnet ist erstaunlich sanft. Bei der Einführung wurde es als vergleichbar zu einer Notbremsung im Auto beschrieben, was es auch in etwa trifft. Plötzlich ist Ruhe. Eben noch 200 km/h Windgeschwindigkeit, nun kann man sich in Ruhe mit seinem Tandem-Master unterhalten und den Ausblick genießen. Und wie wir den heute genießen konnten: kein Wölkchen am Himmel, Ausblick bis an den Horizon. Mt. Taranaki, die Kaikoura Range, alles war zu sehen. Am Boden zieht man die Beine kurz an, damit der Tandem-Master sich um die Landung kümmern kann und schon hat die Erde einen wieder. Wenn's nicht so teuer wäre, hätten wir es wohl gleich nochmal gemacht... Nachdem GG gehört hatte, was wir vorhaben hat er uns so lang bekniet, bis er mit durfte. Der Tandem-Master hat zwar verboten, dass er außen mitfliegt (bei 200 km/h wäre sein Gefieder zu sehr durcheinander geraten), aber er hatte in meiner Hosentasche mehr als genug Spaß. Am Boden kam er jedenfals (genau wie wir) nicht mehr aus dem Grinsen raus... Sonntag, 29. März 2009[NZ09] Caipirinha für alle!Hm, gestern hätte man ne Caipi-Party schmeißen können... Der Fox Glacier hätte jedenfalls mit seinen 14 km und teilweise mehr als 150 Metern Dicke locker genug Eis für ein gepflegtes Besäufnis liefern können. Angeblich soll das Eis aufgrund des hohen Drucks unter dem es entsteht sogar besonders dicht sein und so länger zum Schmelzen brauchen. Ideal quasi für die Getränkekühlung. Für andere Superlative ist das Eisfeld auch noch gut: es gehört zu den schnellsten der Welt (bewegt sich teilweise bis zu 8 Meter am Tag), ist einer von nur 11 Stück weltweit, die bis in eine bewaldete Gegend reichen (ein zweiter ist direkt nebenan der Franz-Josef-Gletscher, die anderen sind in Südamerika) und er liegt auf einer der am schnellsten wachsenden Bergketten der Welt (die am schnellsten wachsende ist auch nur ein paar hundert Kilometer weg: die Kaikoura Range an der Ostküste). Statt das Eis allerdings für eine Party zu verwenden (ist ja auch keiner hier zum Feiern), sind wir lieber darauf herumgelatscht. Dabei wurden wir quasi mal wieder vom Glück verfolgt: wir hatten vorgestern spontan noch die Tour vom Nachmittag auf den Vormittag umgebucht (eigentlich um heute in Hokitika Jadeanhänger zu basteln, aber dazu später mehr). Nun hatte ich ja vorgestern angemerkt, dass es geschifft hat, was runterwollte. Gestern morgen: bestes Wetter, Sonnenschein, kaum eine Wolke am Himmel. Wir hatten also mal wieder Postkartenvoraussetzungen. Nachdem wir am Mittag wieder unten waren vom Gletscher zeigte ein Blick in die Berge, dass das gerade noch rechtzeitig war: es waren Wolken aufgezogen und die gesamten Bergspitzen waren im Nebel. Die Leute, die auf unserer ursprünglich gebuchten Tour dabei gewesen wäre, waren da gerade auf dem Abflug... Wir allerdings auch, es ging ja immernoch fleißig nach Norden, bevor wir uns in den nächsten Tagen mal wieder etwas länger an einem Ort aufhalten. Tja, die Pläne bezüglich Jade schleifen in Hokitika... Eigentlich wollten wir da ja heute was machen. Man kann sich da aus eigenen Entwürfen Schmuck schleifen. Dauert halt je nach Komplexität den ganzen Tag und war halt deswegen für heute eingeplant. Dummerweise hatten wir nicht mit unserem völlig Amok laufenden Zeitgefühl gerechnet: heute ist Sonntag und die Werkstatt damit zu. Naja, ein Plan für den nächsten Urlaub hier... Die Übernachtung hatten wir dann in Punakaiki gebucht. Dort sind die (weltberühmten?) Pancake Rocks, eine Felsformation an der Küste hier, von der keiner weiß, wieso es sie eigentlich gibt. Die Felsen sehen nämlich aus wie Pancakes, haben also Schichten wie Eierkuchen. Wie die entstanden sind weiß offenbar noch keiner so richtig genau. Die bilden interessante Formationen in die die Wellen einbrechen. Gestern abend saßen wir im Te Nikau Retreat, mit dem wir wieder einen richtigen Glücksgriff getan hatten. In einem kleinen Wald zwischen Straße und Küste gelegen, traumhaft ruhig. Ah ja und mit Internetzugriff (den ich aus Faulheitsgründen nicht genutzt habe). Quasi ideal. Nur das recht... ausgehungerte Päärchen nebenan wollte partout keine Ruhe geben. Dabei bauen die hier doch die Wände nur aus Sperrholz... Heute ging's dann weiter Richtung Nelson/Ruby Bay, wo wir die nächsten Tage verbringen werden. Manu wollte unterwegs unbedingt an den Maruia Falls vorbei. Die sind zwar nicht unbedingt spektakulär, haben aber eine interessante Geschichte: Sie sind nämlich erst 1929 entstanden. Ein schweres Erdbeben löste einen Erdrutsch aus, der den Flusslauf veränderte. Der Fluss fließt seitdem über eine Felskante und hat sich durch Erosion in Laufe der Zeit von 1 Meter Höhe auf 10 Meter hochgearbeitet. Oh, GG war heute morgen ganz aufgeregt. Er hatte gehört, dass wir uns die Pancake Rocks anschauen und hatte schon das Frühstücksbesteck ausgepackt. Ihr könnt euch seine Enttäuschung vorstellen, als er festgestellt hat, dass die Felsen nur so heißen und nicht aus Eierkuchen bestehen. Freitag, 27. März 2009[NZ09] Somehow you've gotta keep this place green...3000 km Anlauf müssen ja für irgendwas gut sein. Und wenn's nur zum Kräfte sammeln ist. Wir haben heute auf dem Weg von Wanaka nach Fox Glacier erlebt, was es bedeutet, wenn Regenwolken nach 3000 km Ozean an den Bergen hängen bleiben: Regen. In unterschiedlichen Erscheinungsformen zwischen stark und sehr stark. Klingt erstmal schlimm, war es aber nicht. Der Tag war sowieso durch Autofahren geprägt, so dass wir die Sonne nicht allzu sehr vermisst haben. Außerdem hat der Regen einen entscheidenden Vorteil: innerhalb weniger Stunden prägen sich an den steilen Hängen der Berge hunderte von Wasserfällen aus. Keine kleinen Rinnsaale, sondern ausgewachsene Flüsse entstehenen spontan und stürzen sich den Berg runter. Ein faszinierender Anblick. Ein solcher bot sich uns auch an einem der permanenten Wasserfälle: hunderte von kleinen Steintürmchen lagen dort aufgeschichtet auf einem Areal von vielleicht 100 m². Eine Erklärung dafür haben wir nicht gefunden. Eine dauerhafte Einrichtung kann das auch nicht sein: das Areal, auf welchem die Türmchen stehen wird von dem Fluss regelmäßig überschwemmt (spätestens im Frühjahr bei der Schneeschmelze), was die ganzen kunstvoll aufgeschichteten Steine einebnen dürfte. Ein ähnliches Bild ist uns später nochmal am Strand begegnet. Entweder haben wir was nicht verstanden oder das ist hier so eine Art Volkssport. Tante Google weiß auch keine rechte Antwort darauf. Wahrscheinlich einfach Gruppendynamik: einer fängt an und alle machen mit. Manu auch, die hat auch so einen Turm gebaut. Naja... Was macht man an einem regnerischen Tag? Richtig, Outdoor-Aktivitäten. Halt, Moment... Eigentlich. Egal: wir sind trotzdem im Regen rumgelatscht. Der Grund war einfach: wir waren Geocachen. Wir hatten ja aus einem Cache in Ilmenau eine Geocoin mitgenommen, die nun nach Neuseeland wandern sollte. Und da sich unser Urlaub so langsam aber sicher dem Ende zuneigt, muss die auch platziert werden. Der Gates of H... Cache erschien uns dafür geeignet: tolle Umgebung, gut frequentiert (schließlich soll die Münze weiterwandern und vielleicht irgendwann mal wieder nach Europa zurückkommen) und vor allem: auf dem Weg! Der Cache selbst liegt an den Gates of Haast, einer Engstelle des Haast River, die von einer Brücke überquert wird. Nachdem der Wanderweg, an dem er liegt durch einen Steinschlag beschädigt wurde, ist der Cache zwar etwas kompliziert, aber trotzdem problemlos zu erreichen. Die Münze ruht nun da und wartet auf den nächsten Cacher. Als wollte es sich für den total verregneten Tag entschuldigen hat das Wetter am Abend nochmal beschlossen etwas aufzudrehen. Kurz vor Sonnenuntergang riss der Himmel auf und fing an in den interessantesten Farbkombinationen zu leuchten. Das lässt hoffen für den morgigen Tag auf dem Gletscher... Ah ja, ein (zumindest für mich) interessantes Detail aus der Māori-Kultur noch: der Haka. Dieser Kriegstanz dient vor einer Schlacht zum Mutmachen und zur Einschüchterung des Gegners. Zu diesem Zweck wird ein Text... naja, gesungen nicht, eher gebrüllt. Dazu wird in Formation getanzt und es werden Grimassen gezogen, die dem Gegner Angst machen sollen. Bekannt gemacht wurde der Haka hauptsächlich dadurch, dass die All Blacks, das neuseeländische Rugby-Nationalteam, einen speziellen Haka (den Ka Mate) vor ihren Spielen tanzen. Kann man eigentlich nur schwer erklären, muss man sich anschauen. Ich hab mal ein Video rausgesucht, welches das verdeutlicht. Zu sehen ist hier übrigens ein Spiel Neuseeland gegen Tonga. Die Nationalteam von Tonga antwortet hier mit dem Kailo/Sipi Tau. Die beiden Kriegstänze bringen das Publikum mal definitiv geeignet in Stimmung. Donnerstag, 26. März 2009[NZ09] Ich glaub ich bin in Norwegen...Scheiße, wir haben uns verfahren! Zumindest konnte man das gestern denken, denn für den Overnightcruise im Milfordsound ging es ins Fjordland. Wie Norwegen, nur nicht ganz so ausgedehnt. Doch von vorn... Milford Sound (sowohl das Fjord, was eigentlich gar kein Sound – ein vom Wasser geschnittenes und vom Ozean aufgefülltes Tal – sondern eben ein Fjord – vom Eis geschnitten und mit Ozean vollgelaufen – ist, als auch der kleine Ort von dem aus die ganzen Schiffe in den Sound starten) liegt am Ende eine knapp 120 km langen Sackgasse. Von Te Anau aus geht es die Milford Road lang durch weite Täler und enge Schluchten. Die Straße zählt auf Grund der Lawinen- und Steinschlaggefahr zu den gefährlichsten Neuseelands (im Winter wird wohl sogar die Ampelregelung am Homer Tunnel abgeschaltet, weil es zu gefährlich wäre, die Leute dort stehenbleiben zu lassen), ist aber auch eine der schönsten. Da wir ja über Nacht auf einem Schiff waren, konnten wir uns für die Fahrt von Te Anau aus gemütlichstens Zeit lassen und unterwegs noch ein wenig wandern gehen. Meine Holde hatte sich dafür den Key Summit rausgesucht. Dieser liegt am Anfang des Routeburn Tracks, ein Mehrtageswanderweg von der Milford Road nach Glenorchy. Den Track wollten wir natürlich nicht komplett wandern, aber auf den Berg sollte es wenigstens gehen. Fluffige 450 Höhenmeter später konnten wir uns dann auf dem Gipfel zum Mittagessen niederlassen. Wobei... "Gipfel" ist zuviel gesagt. Trotz des "Summit" im Namen ist der Key Summit mehr so eine Hochebene und eine feuchte noch dazu. Lauter kleine Tümpel, viel Moos, Sumpf, kleine Bäume etc. erzeugen eine sehr interessante Landschaft, durch die ein Pfad, wie im Bild zu sehen, läuft. Das Wetter hatte beschlossen, es ein wenig interessanter zu gestalten. Statt strahlend blauem Himmel gab es einen Mix aus Wolken, der mich spontan daran erinnert hat, dass ich ja mal erklären wollte, woher eigentlich der ursprüngliche Name Neuseelands kommt. In Māori heißt das Land Aotearoa. Die Frau des legendären Häuptlings Kupe, der als erster Mensch nach Neuseeland gekommen sein soll, soll auf See eines Tages ausgerufen haben "He ao, he ao, he ao tea, he ao tea roa!" ("Eine Wolke, eine Wolke, eine lange Wolke, eine lange, weiße Wolke!"). Die Wolke, die sie sah hatte das Land verraten denn sie hing über den Bergen der Insel. Der letzte Teil wurde so zum Namen des Landes: Aotearoa, das Land der langen, weißen Wolke. Lang ist das übrigens noch nicht her. Die Māori sind nämlich keine Ureinwohner, sondern erst vor relativ kurzer Zeit (1500 Jahre) aus Polynesien eingewandert. Die Sprachen der Inselvölker gleichen dem Māori daher noch sehr stark (was mich daran erinnert: wir haben beschlossen Manu immer als Manu vorzustellen. Manuela kann eh keiner aussprechen und Manu ist ein Wort in Māori und heißt "Vogel". Passt: sie hat einen *duck&renn* und es kann sich jeder merken.) Wieder runter vom Berg erwartete uns eine Überraschung: unser Auto hatte beschlossen Feierabend zu machen. Die Türen gingen zwar noch auf, aber sonst rührte sich nix mehr. Leider hat diese &§#%$-Kiste keinerlei Anzeige, wenn man das Licht an hat und so hatte ich natürlich vergessen, das wieder auszumachen. Nach 3 Stunden Wanderung war die Batterie platt. Kein Problem, wozu haben wir 24 Stunden Road Side Assist gebucht? Handy raus... hrmpf: kein Netz. Glücklicherweise haben uns dann zwei andere Touristen mit einem Starthilfekabel ausgeholfen. Die haben sich sogar 1000x bedankt, weil ihnen ohne unser Missgeschick das gleiche passiert wäre: auch ihr Licht war an. Die letzten 50 km mussten also ohne Unterbrechung laufen, weil die Batterie ja laden sollte. Naja... Zum Glück kamen wir dann ohne weitere Probleme zu unserer Unterkunft für die Nacht: dem Milford Wanderer. Schickes Schiff das. Die 4-Mann-Kabinen waren zwar recht winzig, aber zum Glück waren unsere Bettnachbarn nett, so dass sich das aushalten lies. Vor dem Abendessen gab es noch etwas Sport: der Wanderer hat 28 Kayaks an Bord, mit denen wir uns im Sound etwas austoben durften. Manu hatte ja ständig Angst, dass sie umkippt und nass wird, während ich mich mit der Kamera vergnügt habe. Letzten Endes ist weder Manu, noch meiner Kamera und mir was passiert. Die Fotos waren dafür lustig. Das Fjord ist durchaus beeindruckend. Ohne Maßstab hat man Probleme, die wahre Größe zu erkennen, steigen doch die Berge von der Wasserlinie teilweise über 2000 Meter steil nach oben. Selbst ein 154 Meter hoher Wasserfall, der in das Fjord stürzt, sieht daneben winzig aus (bis man direkt untendrunter mit dem Schiff langfährt und nass wird). Der Rest des Abends? Essen war lecker, Gespräche interessant (ich musste lang nicht mehr drüber nachdenken, ob Computer ein Bewußtsein haben können) und die Nacht kurz. Frühmorgens (wirklich früh, nachdem wir von einer Kavallerietrompete geweckt wurden) nach dem Frühstück ging's raus auf die Tasman Sea. Der offene Ozean ist, wie uns schon öfter aufgefallen ist, doch deutlich unruhiger, als so ein geschütztes Fjord. Auf der Rückfahrt waren dann noch einige Delphine und Seehunde zu sehen. Speziell letztere haben eine interessante Eigenart: die rotieren die ganze Zeit im Wasser um ihre Längsachse. Das hat einen simplen Grund: Verdauung. Sie fressen sich den Bauch voll bis oben hin und rollen sich dann hin und her um das Futter verdauen zu können. Mach ich jetzt demnächst auch so: Pizza komplett rein und dann durch's Wohnzimmer rollen. Spart einen Haufen Kauarbeit! Der Wasserfall auf dem Bild hinter mir soll übrigens 10 Jahre jünger machen, wenn man von dem Wasser getroffen wird. Hm, wir waren gut nass, aber meine Geheimratsecken hab ich immernoch. Mist, blöder. Der heutige Tag hielt dann hauptsächlich eins bereit: Straßen. Wir sind jetzt dann doch etwas in Eile wieder nach Norden zu kommen und wollten es daher bis Wanaka schaffen. Knapp 400 km wollten dazu überwunden werden. Unterwegs haben wir noch kurz in Queenstown Station gemacht. Wenn man schonmal am Geburtsort des Bungee Jumpings ist, dann muss man sich das auch mal anschauen (anschauen, nicht machen. Ich bin doch nicht blöde.) Mit meinen Fotos hab ich dann noch einen Amerikaner glücklich gemacht, dessen Frau und Tochter gesprungen waren. Was mir völlig neu war: man kann auch zu zweit springen, wie zwei Mädels da eindrucksvoll vorgeführt haben. Zum Schluss des Tages noch: den Schwanzvergleich hat heute definitiv ein japanischer Opa gewonnen, der mit einer Hasselblad mit Digitalrückteil unterwegs war. Fotografie zum Preis eines Mittelklassewagens. Naja, wer's hat... Dienstag, 24. März 2009[NZ09] Dunedin - Catlins - Te AnauLaut der Cheforganisatorin (ich nenne sie "Gehirn", sehr zum Amüsement anderer Leute) werden die Catlins (die Landschaft an der Südspitze der Südinsel) gern von Touristen mit Zeitmangel ausgelassen. Wir wollten das anders machen und hatten die daher mit eingeplant. Bevor es aber in die abgelegeneren Teile Neuseelands ging, wollten wir uns noch unsere Dosis Rekordgefühl holen (ok, eigentlich ist hier laut Ortsschild jedes Kaff für irgendwas berühmt, aber das meine ich nicht). In Dunedin gibt es nämlich die laut Guiness-Buch der Rekorde steilste Straße der Welt. Auf 161 Meter Länge steigt diese um 47 Meter an, am steilsten Stück sogar im Verhältnis 1:2,86 (entspricht laut Wikipedia 35%). Die Straße ist damit fast so steil wie eine Treppe (und tatsächlich sind die Fußwege am steilsten Stück auch als Treppen ausgeführt. Im Bild steht die Hauswand und Manu übrigens gerade, das Geländer ist unerklärlicherweise schief. Ich hatte beim Hochfahren echt das Gefühl, der Mietwagen verreckt mir. Runterwärts fühlt man sich dafür wie auf einer Skischanze. Von dieser Art von Straßen gibt es noch mehr in Dunedin, was angeblich daran liegen soll, dass die Stadt nach dem Aufbau von Edinburgh geplant wurde ohne Rücksicht auf die vorhandene Landschaft zu nehmen (auch wenn ich gerade keine Quelle dafür finde). Die Catlins sind hauptsächlich für ihre Küste berühmt und kaum irgendwo kann man die besser bewundern als auf Nugget Point. Durch Auswaschungen von weicherem Gestein blieben an dieser Küste eine Handvoll Felsen verstreut im Meer liegen die tatsächlich aussehen als hätte jemand dort übergroße Goldnuggets verloren. Hervorragendes Postkartenmaterial. Die Nacht haben wir dann mitten im Nirgendwo ein paar Kilometer von Jack's Blowhole verbracht. Hinter dem merkwürdigen Namen verbirgt sich ein – durchaus beeindruckendes – Loch in der Erde, was eine unterirdische Verbindung zum Meer hat. Dadurch tosen in dem Kessel die ganze Zeit die Wellen und erzeugen eine interessante Geräuschkulisse. Heute morgen (nach einer seeehr ruhigen Nacht zum Ausgleich für Dunedin. Wir hatten das Backpackers im Nirgendwo für uns allein.) wollten wir dann ein paar Wasserfälle besuchen. Die ersten, mit dem unaussprechlichen Namen "Purakaunui Falls" sind im Bild zu sehen. Auf dem Weg zu den zweiten haben wir unsere gute Tat für heute getan: wir haben einen Anhalter mitgenenommen. Schon auf dem Weg von Timaru nach Dunedin hatte es gepasst: der Mensch, der da den Daumen rausgehalten hatte, wollte ebenfalls zu unserem Ziel und so haben wir knapp 100 Kilometer lang das Auto geteilt. Heute sogar noch etwas länger: von tief in den Catlins bis kurz vor Queenstown (sein Ziel) hatten wir Begleitung durch einen Niederländer, der seit zwei Monaten über die Inseln tourt. Der war ganz froh darüber, dass wir ihn so weit mitgenommen haben. Gestern musste er nämlich für eine relativ kurze Fahrt insgesamt 10x das Auto wechseln, weil es nie so gepasst hat mit der Richtung. Wenn man von Touristen mitgenommen wird, kommt man im allgemeinen etwas langsamer vorwärts. Dafür sieht man mehr, weil die ja an allen möglichen und unmöglichen Orten anhalten. So auch heute: nachdem wir nun nur fast ganz im Norden der Nordinsel waren, sollte es wenigstens die südlichste Spitze der Südinsel werden. Wir schaffen es leider nicht auf Stewart Island (beim nächsten Mal. Dass wir wiederkommen ist schon beschlossene Sache.), also wir das der südlichste Punkt unserer Reise bleiben. Von nun an geht es fast nur noch nach Norden. Morgen über die zweitgefährlichste Straße Neuseelands (sagen die Einheimischen. Wo liegt eigentlich die gefährlichste?) von Te Anau nach Milford Sound. Dort werden wir (immernoch nicht genug vom Wasser) auf einem Schiff übernachten. Man kann sich also denken: morgen kein Artikel. Ah ja, falls sich jemand wundert, wie wir eigentlich zu den Orten kommen, die wir so anfahren. Also, im Prinzip ganz einfach: zuersteinmal haben wir einen Atlas, in dem alle möglichen und unmöglichen Sehenswürdigkeiten verzeichnet sind (so auch die Niagara Falls of New Zealand, die laut Aussage einer Anwohnerin sagenhafte 70 cm – ja, ein Tippfehler – hoch sein sollen). Zum anderen haben die hier ein extrem dichtes Netz von Informationspunkten. In quasi fast jeder größeren (im Sinne von: mehr als 5 Häuser) Siedlung gibt es eine sogenannte i-Site. Entweder als eigenständiges Gebäude oder in der lokalen Bibliothek etc. kann man dort von "Wo ist das nächste Klo?" bis "Können Sie die Pinguintour gleich buchen?" alles fragen und bekommt eigentlich immer geholfen. Mit einer unglaublichen Menge an Karten- und Informationsmaterial helfen die freundlichen Leute einem dort in quasi jeder Lebenssituation weiter. Das beste daran: alles kostenlos für ein freundliches "Dankeschön". Selbst wenn man mit ungewöhnlichen Fragen kommt (oder das, was wir dafür halten, bspw: auf welchen Weingütern um Blenheim kriegt man Mittagessen?) wird so lang recherchiert und diskutiert, bis eine zufriedenstellende Antwort gefunden ist. Im Prinzip könnte man komplett ohne Vorbereitung und Ahnung nach Neuseeland kommen, solange man weiß, wo das erste i-Site ist. Die Dinger sind auch praktischerweise immer kilometerweit ausgeschildert, so dass wir eigentlich nie Probleme haben, eins zu finden wenn sich eine Frage auftut. [NZ09] Weiter nach SüdenEigentlich sollte der Artikel schon vor zwei Tagen raus, aber leider, leider muss "Wireless" im BBH Guide nicht immer heißen, dass man auch Netz hat. Wireless hatten wir in dem Backpackers. Alles hinter dem Accesspoint war leider tot. *gnaaa* So langsam kommen die nächsten Termine näher, weswegen wir langsam aber sicher weiter nach Süden turnen. Immer an der Küste lang (ok, was will man auch tun in einem Land, in dem man angeblich nicht weiter als 60 km von der nächsten Küste weg sein kann). Heute ging es von Timaru nach Dunedin. Einfach nur fahren war natürlich nicht, schließlich waren wir in Wallaby-Land. Wallabys wurden – wie so vieles anderes Getier – von Australien nach Neuseeland eingeschleppt. In diesem speziellen Fall wurde aber einer Ausbreitung glücklicherweise von der Natur verhindert. Im Westen verhindert die – passend benannte – Barrier Range die Ausbreitung der Tiere, im Norden und Süden Rangitata und Waitaki River (Wallabys können offenbar nicht schwimmen). So existieren die Tiere nun nur in einem relativ kleinem Gebiet. Um die Vermehrung der Tiere in dem Gebiet zu kontrollieren (und vermutlich auch zum Spaß) werden sie bejagt. Dabei kommt es von Zeit zu Zeit vor, dass eine Mutter mit Kind geschossen wird. Die Jäger bringen dann in den meisten Fällen das Baby zum Wallaby Park in Waimate. Den hatte sich meine Holde zum Besuch ausgeguckt ("Hach sind die süüüüüß!"). Die in dem Park aufgewachsenen Tiere sind handzahm und lassen sich füttern. Man kann also mit ein paar Futterpellets durch die Gehege laufen und sich aus der Hand fressen lassen, wovon Manu reichlich Gebrauch gemacht hat.Highlight des Ganzen (wenn man nach ihrem Gesichtsausdruck geht) war das Wallaby-Baby, welches sie auf dem Arm halten durfte. Als das ihr dann auch noch die Nase abgeleckt hat, war sie völlig hin (komisch: wenn ich das mache meckert sie immer...) Ich hab vorsichtshalber hinterher den Rucksack genauestens auf blinde Passagiere gecheckt. Nachdem wir uns dann doch noch losgerissen hatten ging es weiter zu den Moeraki Boulders. Das sind eigentlich bloss Steine, allerdings mit einer besonderen Eigenschaft: sie sind fast perfekt rund. Die liegen völlig unwirklich am Strand rum und werden vom Meer mit der Zeit verschlungen. Sieht ein wenig aus, als hätten Riesen mit Murmeln gespielt und das Aufräumen vergessen. Steine am Strand... ok. Lang aufgehalten haben die uns allerdings nicht. Wir wollten weiter nach Dunedin um es noch zur letzten Tour zum Penguin Place zu schaffen. Auf der Otago Peninsula gelegen ist dieser private Naturschutzpark für Pinguine seit einigen Jahren recht erfolgreich dabei, Touristen das Leben der Gelbaugenpinguine näher zu bringen. Die kommen nämlich in die zu einer Farm gehörigen Bucht zum Brüten. Um die Tiere möglichst wenig zu stören haben die Betreiber ein riesiges Tunnelsystem gebaut in dem man sich zu Verstecken begeben kann von denen man die Pinguine sieht. Das kann manchmal überraschend nah an den Tieren sein, denn die ignorieren die komischen Vögel auf zwei Beinen geflissentlich. Da wir auf der letzten Tour nur drei Leute waren (der dritte aus Schwabach, eine rein deutsche Angelegenheit also mal wieder), war das ganze recht entspannt und zum Fragen stellen geeignet. Die Otago Peninsula liegt doch einige Kilometer außerhalb von Dunedin, so dass es auf der Rückfahrt schon dunkel wurde. Über die Bucht hinweg sieht die Stadt doch ganz lustig aus. Aus der Nähe betrachtet (speziell die Gegend um unser Backpackers) war's leider nicht so toll. Das kaputte WLAN hatte ich ja schon erwähnt. Interessanter war allerdings noch das Geschreie später am Abend. Stammte von ein paar Jugendlichen, die sich im Vollsuff gegenseitig mit Mülltonnen beworfen haben. Unser Auto hat glücklicherweise nichts abbekommen, aber etwas schräg geschaut haben wir schon. Naja, lang wollten wir uns in der Stadt ja eh nicht aufhalten... Samstag, 21. März 2009[NZ09] Das erste Mal nass (von oben)Hach ja, von wegen "four seasons in one day": bisher hatten wir ja fast immer perfektes Wetter (von Auckland mal abgesehen). Heute hat's dafür dann zugeschlagen. Schon heute morgen noch so im Halbschlaf dachte ich mir: 'Klingt irgendwie nach Regen...' und als wir dann beim Frühstück saßen hatte es sich schon so richtig schön eingeregnet. Etwas ärgerlich, wollten wir doch eigentlich die botanischen Gärten in Christchurch besuchen. Naja, wir haben dann mal lieber drauf verzichtet und uns stattdessen auf den Weg nach Süden gemacht. Was macht man, wenn man für eine Reise zu einem festen Punkt (wir hatten das Backpackers schon gebucht) unerwartet viel Zeit hat? Richtig: man fährt einen Umweg. Statt uns direkt dem Highway 1 zuzuwenden haben wir uns lieber über die 73 aus Christchurch rausgeschlichen und zuerst das Rakaia Gorge angefahren. Der Rakaia River wird dort von den Bergen in ein relativ schmales Bett gezwungen, was ihn natürlich eingemaßen schnell macht. Das Wasser des Flusses ist unvorstellbar blau, wie viele Gewässer hier. Bilder können da eigentlich nur bedingt einen Eindruck vermitteln. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was diese Farbe verursacht, aber man kommt sich jedesmal vor, als wäre man mitten in einer Postkarte von einer tropischen Insel gelandet. Das nächste Ziel der Reise waren die Sharplin Falls. Nach den anstrengenden drei Tagen an der Küste von Kaikoura wollten wir die Beine vorsichtig wieder an einer langsamere Gangart gewöhnen und uns dabei noch einen Wasserfall anschauen. Der Sharplin Falls Walk ist mit knapp 45 Minuten angegeben, als nach Neuseeland-Zeit sind das tatsächlich etwa 30. Problem: wie schon geschrieben hatte sich schon am Morgen in Christchurch der Regen zu Wort gemeldet und der wollte uns jetzt auch nicht ganz verlassen. Aber: wir sind ja nicht aus Zucker (eigentlich schon, aber der ist so gut in uns versteckt, dass er nicht wasserlöslich ist...) und so wurden die Regenklamotten ausgepackt. Tja... die 30 Minuten quer durch den Wald, bergauf und -ab waren durchaus... interessant. Nicht nur dass es wirklich klatschnass war (meine Jeans trocknen immernoch. Ich hätte doch die Regenhose anziehen soll. Dachte halt, die Jacke wäre genug.), nein, zu allem Überfluss wird auch gerade noch an dem Track gebaut, so dass überall Schlammlöcher waren. Zumindest die Art von Schlamm, die sich trocken ganz gut ausbürsten lässt. Die Sharplin Falls als solche waren dann nicht wahnsinnig beeindruckend, aber der Weg dorthin war schon auf eine kranke Art cool. Nach der Dusche wollten wir dann allerdings wirklich weiter zu unserer Unterkunft. Weit war es auch nicht mehr (zum Glück). Und nach weit über 2000 km hinterm Steuer hatte ich dann doch mal keine Lust mehr und meine Holde musste ran. Anfangs noch etwas wackelig (kein Wunder, falsche Straßenseite) hat sie uns dann aber doch sicher nach Timaru gebracht, wo wir die Nacht verbringen. Wir haben (mal wieder, passiert in Backpackers öfter) einen interessanten Menschen getroffen. Ein Japaner, der schon oft in Neuseeland war, alle touristischen Attraktivitäten schon gesehen hat (oder zumindest der Meinung ist) und sich diesmal daher was interessantes ausgedacht hat: er bereist das Land nach Golfplätzen. In 5 Wochen will er auf möglichst vielen von Neuseelands Golfplätzen spielen und ein Buch darüber schreiben. Schon verrückt. Eine Sache ist mir auf der Fahrt heute wieder aufgefallen, die mich schon öfter belustigt hat: das Verhältnis der Neuseeländer zu Oberfläche ihrer Straßen. Grundsätzlich kann man hier grob 4 Kategorien von Straßen unterscheiden: Straßen, die an deutsche Standards herankommen, Straßen die was aushalten müssen, Straßen auf denen der durchschnittliche Deutsche sein Auto nicht freiwillig bewegen würde und Straßen, auf denen der durchschnittliche Deutsche sein Auto nicht bewegen kann. Die erste Kategorie findet sich meist innerorts. Angenehme Oberfläche, glatt, wunderbar. Die zweite Kategorie befindet sich zumindest auf den langen Strecken zwischen zwei Orten. Durch die Distanzen, die es zu überbrücken gilt sind einfach zu groß, als dass man ständig Leute zum reparieren vorbeischicken könnte. Daher wird dort ein Belag mit recht grobem Split als Abschluss verbaut, der wohl sehr lang durchhält ohne Fahrrillen zu bilden. Nachteil: klingt ein wenig wie Kopfsteinplaster (aus dem Auto) oder ein Tiefflieger (neben der Straße). Auf die Dauer nervt diese Art von Belag ein wenig. Tja... in die dritte Kategorie fallen die besseren Gravel Roads. Man muss dazu folgendes wissen: nur weil ein Ort touristisch erschlossen ist, heißt das nicht, dass es auch eine Straße dorthin geben muss. Ein Feldweg tut's doch auch. Dieser Feldweg kann durchaus mal Bestandteil einer Fernverkehrsstraße sein (so zum Beispiel die letzten 15 Kilometer auf dem Weg zu Cape Reinga), was dann durchaus 100 km/h darauf erlaubt. Nicht dass man das fahren wollte, aber es wäre erlaubt (und wird, wie im Bild zu sehen, auch explizit beschildert. Dort stehen zwar nur 70, aber das gibt es durchaus auch mit 100). Die letzte Kategorie sind dann Feldwege auf denen Allrad Pflicht ist. Die können auch mal überquert werden müssen um zu touristisch interessanten Orten zu gelangen. So bin ich heute zum Beispiel an zu tiefem Kiesbelag gescheitert, als wir uns einen See anschauen wollten. Auch die Distanzen, die mit solchen Feldwegen überbrückt werden, sind interessant. Nicht so 1-2 km, sondern durchaus mal 20 oder auch 60. Schon verrückt. Wenn der Neuseeländer an einer Stelle keinen Feldweg hat, dann macht er sich halt einen. Straßen werden hier für Bauarbeiten üblicherweise nicht gesperrt. Man reißt erstmal die gesamte Oberfläche weg, kippt Schotter hin und lässt dann die Autos durch die Baustelle hacken. Immer wenn auf der Landstraße ein 30-Schild mit "Stop on request" darunter kommt kann man sich schonmal auf sowas einstellen. Meist steht dann dort ein einzelnes Männchen an der Straße und hält ein Stoppschild. Wenn die Luft rein ist dreht er das rum und es zeigt "Go". Die ausgefeiltere Variante war dann sogar ein Auto mit "Pilot Car. Follow me", das den ganzen Tag in der Baustelle hin und her gefahren ist und die Autos auf die andere Seite gelotst hat. Ampelregelungen sieht man hingegen selten. Anscheinend lohnt es sich, lieber Leute für diesen Job zu bezahlen. [NZ09] "Diesen Weg auf den Höh'n..." - Kaikoura Coast TrackDer Zufall wollte es, dass wir an der Küste von Kaikoura eine Mehrtageswanderung gebucht hatten (Zufällig war das wirklich: Manu hatte in dem Katalog unseres bevorzugten Outdoorausrüsters einen Artikel gelesen, in dem zwei Leute diesen Track gewandert sind und nachdem sich der ursprüngliche Plan im Süden zerschlagen hatte, einfach mal geguckt.). Der Kaikoura Coast Track ist ein privater Wanderweg, der über das Land dreier riesiger Farmen an der Küste führt. Und wie jemand auf der Nordinsel mal meinte: drei Farmen können auf der Südinsel ein kleines Land bilden. Die sind hier einfach riesig, weil die Südinsel zwar nur knapp über eine Millionen Einwohner hat, aber sogar noch größer ist, als die Nordinsel. Platz zum Laufen war also genug. Bei der Ankunft an der Staging Post, dem Start und Ziel der Route, war die Überraschung erstmal (nur bedingt gut) auf unserer Seite: unsere Partner für die drei Tage waren durchweg ältere Leute. Drei Australier in die 60 und zwei neuseeländische Damen weit über 70 hatten sich in der Hütte schonmal häuslich eingerichtet. Naja, wir haben halt beschlossen das beste draus zu machen. Letzten Endes stellten die Damen und Herren sich als recht nett und aufgeschlossen heraus. Einer sprach sogar etwas Deutsch (soviel man halt spricht, wenn man vor 50 Jahren in der Schule mal 3 Jahre Deutsch hatte). Tag 1: Staging Post zur Ngaroma FarmDer Track führt an drei Tagen über das Land der verschiedenen Farmen und endet schließlich wieder an dem Ort der ersten Übernachtung (wo man auch Koffer, Auto etc. zurücklässt). Die erste Tagesetappe geht über 12 Kilometer vom Startpunkt im Wald zur Ngaroma Farm. Zwischen diesen beiden Punkten liegen hauptsächlich Berge, was die Wanderung doch einigermaßen anstrengend macht. Die drei beteiligten Farmer haben schon vor vielen Jahren damit begonnen Teile des Farmlandes abzusperren und der Natur zurückzugeben, so dass der erste Teil der Tracks auf einem schmalen Pfad quer durch's Unterholz ging. Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren (speziell Vögeln) war schon beeindruckend. Später musste dann von Zeit zu Zeit mal wieder ein Weidezaun überquert werden, was sich aber mit den schon bekannten Stufen recht einfach macht (wie am Küken im Bild zu sehen). Der ging es übrigens an dem Tag gar nicht gut, so dass ich mich dann mit zwei Rucksäcken vergnügt habe *männlichaufdiebrustklopf*. Ähem... (Mitgebrachtes) Mittagessen gab es dann in einer Hütte, von der man den "6-Milliarden-Dollar-Blick" hat, wie es mal in einem Zeitungsartikel bezeichnet wurde. Die Eigentümer der Farm hatten ein Angebot für ihr Land bekommen und scherzhaft abgelehnt, dass sie nicht unter 6 Milliarden Dollar akzeptieren würden. Der Blick war auch wirklich toll. Weit über das Land bis in die Berge hinter Kaikoura und auf den Ozean. Das Wetter trug seinen Teil bei: strahlender Sonnenschein (diesmal war ich vorbereitet, nachdem ich mit ja in den ersten Tagen peinlicherweise ausgerechnet die Geheimratsecken verbrannt hatte. Ähem... kann ja keiner dran denken, dass die Stirn doch plötzlich etwas länger ist als früher...), relativ wenig Wind, angenehme Temperatur und gute Sicht. Passte also alles zusammen. Von der Hütte turnte der Track relativ zügig bergab in Richtung Tagesziel. Unterwegs waren wie auch schon bergauf immer mal wieder interessante Pflanzen beschriftet, damit man wenigstens auch noch ein wenig Bildung abbekam. Der Blick aus dem Fenster der Ngaroma-Farm stand übrigens den Ausblicken auf den Bergen in nichts nach, wie man auf dem Foto erkennen kann. Sonnenunter- und Mondaufgang produzierten sehr schöne Bilder. Für's Abendessen haben wir uns noch etwas besonderes gegönnt: Lammsteaks. Bruce, der Hausherr hatte am Tag ein Lamm geschlachtet und so konnten wir uns mit lecker Fleisch eindecken. Weniger cool war leider die Nacht. Zumindest Anja und mir ging das Haus ein wenig auf den Keks mit knackenden Balken und quietschenden Türen. Manu hat zwar geschlagen, wie ein Stein, aber wir sind immer wieder wach geworden. Zumal sich eine unserer Begleiterinnen gegen Morgen auch noch überlegt hat, dass es ja besser wäre, die Türen offen zu lassen. So kriegt wenigstens gleich jeder mit, wenn man sich miteinander unterhält und alle werden gleichzeitig wach. *gnaaa* Tag 2: Ngaroma Farm zur Medina FarmEigentlich, ja eigentlich war der zweite Tag gedanklich zur Entspannung gedacht. Anja sollte sich bei einem Strandspaziergang etwas erholen können und auch wir wollten die müden Beine etwas schonen. Tja... "Naive Stadtkinder" werden sich unsere offenbar wandererprobten Begleiter gedacht haben. Strand ist jedenfalls kein Spaziergang. Zwar geht es kilometerweit gerade hin, dafür macht allerdings der Sand das Laufen schwer. Speziell der Strand an der Küste vor Kaikoura besteht teilweise aus feinsten Steinchen, die sich wunderbar unter den Füßen verschieben und jeden Schritt anstrengend machen. Entschädigt wird man für die Anstrengung mit der Gelegenheit, an einem quasi menschenleeren Strand auf Seelöwen zu treffen. Die kommen dort an Land um sich auszuruhen und in die Sonne zu legen und genießen es scheinbar für die Touristen zu posieren. Da der Strand privates Land ist, sind die Touristen allerdings recht selten, weswegen man die Tiere quasi für sich allein hat. Man sollte ihnen nur nicht zu nahe kommen. Da reagieren sie recht zickig und so ein Tier kann wohl durchaus Schaden machen. Aber selbst unser übereifriger Ex-Biolehrer ist glimpflich davongekommen, weil er nach dem ersten Zucken des Tieres verstanden hat. Mittagessen gab's dann an einer alten Māori-Raststelle direkt am Strand. Alle Utensilien zum Wasser kochen (sprich: Holz vom Strand, Feuerstelle, Zeug zum Anzünden, Töpfe und natürlich Trinkwasser) waren vorhanden, so dass wir da wenig Probleme hatten. Ich bin ja immer fasziniert, wenn über dem offenen Feuer gekocht wird. Und wenn's bloss Wasser ist. Wahrscheinlich auch wieder so ein Stadtkind-Ding. Was dort noch zum Essen verfügbar war: Tütensuppe. Total komisches Zeug: weißes Pulver macht rote Tomatensuppe. Schräg... Nach dem Mittagessen ging's weg von der Küste. Nach einem kurzen Weg über eine Wiese oberhalb der Klippen (Windig! Manu und Küken haben spontan versucht das Fliegen zu lernen.) ging es durch ein tiefes Tal zur Medina Farm. Das Tal ist bereits seit 1982 als Reservat abgesperrt, so dass sich der Urwald dort schon seit geraumer Zeit ausbreiten konnte. Unser eh schon anstrengender Tag am Strand wurde also noch ein wenig heftiger. Die Farm selbst liegt etwa 80 Meter über dem Meeresspiegel. Diese 80 Meter wollen erstmal erklommen wollen. das geschieht hauptsächlich auf dem letzten Anstieg, der mit einem netten Schild versehen ist. Man beachte besonders den Tierschädel auf dem Bild. Wir haben's aber trotzdem überlebt und wurden mit einer sehr coolen Unterkunft für die Nacht entschädigt. Die Besitzer der Medina Farm haben ein altes Gartenhäuschen aufwändig renoviert und zur Unterkunft für bis zu vier Leute umgebaut. Die Hütte steht inmitten einer Schafweide, was natürlich meiner Holden sehr gut gefallen hat. Zumal (dank des anwesenden Besitzers) die Schafe etwas zutraulicher waren und gestreichelt werden konnten. Am Abend haben wir uns dann noch fotografisch etwas ausgetobt. Die Farm liegt knapp 25 km von der nächsten menschlichen Siedlung entfernt, was die Lichtverschmutzung auf ein Minimum reduziert. Der klare Himmel zeigte also wirklich Millionen von Sternen. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, schonmal soviele gesehen zu haben. Am liebsten hätte ich mit eine 180° Fisheye-Objektiv den gesamten Himmel auf einmal fotografiert. Glücklicherweise ging auch der Mond recht spät auf, so dass wir genug Zeit mit den Sternen allein hatten. Tag 3: Medina Farm zur Staging PostDer dritte Tag bot nochmal Berge satt. Direkt vom Start weg ging es heftig bergan, bis gegen die Mittagszeit mit 628 Meter ü.NN. fast der Gipfel des Mt. Wilson erreicht war. Dort gab es wieder eine Hütte mit Wasser und Kochutensilien, so dass wir gemütlich essen und den Ausblick geniesen konnten. Leider war der Himmel nicht komplett klar, so dass wir etwas weniger gesehen haben, als am ersten Tag. Total faszinierend: mitten in der Pampa, einige Kilometer von der nächsten menschlichen Behausung hatte die Hütte ein Klo mit Wasserspülung. Ich war echt begeistert. Der Abstieg war dann recht gemütlich, wenn auch lang. Am frühen Nachmittag erreichten wir wieder die Staging Post. Müde Beine, dreckige Schuhe (und andere Klamotten), aber froh über die gelungenen drei Tage. Nach einer kurzen Fahrt nach Süden saßen wir entspannt in Christchurch. Gestern abend gab es zivilisiert im Restaurant lecker indisches Essen. Das Backpackers hatte WLAN, die Zivilisation hatte uns wieder. Heute mussten wir uns allerdings erstmal wieder trennen. Anja ist mit ihren Gasteltern unterwegs und für uns ging es weiter nach Süden. Es gibt schließlich noch so einiges zu sehen... Ach ja: GGs Abenteuer sollen euch natürlich auch nicht vorenthalten werden. Am ersten Tag hatte er mit einem Kumpel einen kleinen Berg erklommen und das Wasserklo am dritten Tag hat ihn so fasziniert, dass er es gleich probieren musste. Aus Gründen der Diskretion ist er dabei kaum zu sehen... Freitag, 20. März 2009[NZ09] Fischi, Fischi, Fischi... Wale und andere NichtfischeNachdem ich mit den Delphinen in der Bay of Islands nicht so wahnsinnig viel Glück hatte (meist hab ich ja irgendwelche Hinterköpfe von alten Damen gesehen, die sich unerklärlicherweise plötzlich materialisierten, wenn die Viecher aus dem Wasser kamen), gab es in Kaikoura nochmal die Chance auf große Meeresbewohner. Die Geografie des Seebodens macht es möglich: nur ein paar hundert Meter vor der Küste fällt der auf bis 1600 Meter Tiefe (in einer Animation ohne Wasser ein recht beeindruckender Canyon). Zusammen mit den passenden Meeresströmungen sorgt das für die perfekte Futterstelle für verschiedene Walarten, die in Kaikoura so dicht an die Küste kommen, wie nirgends sonst. Was macht der geschäftstüchtige Neuseeländer? Er schippert Touris mit nem Boot raus zum Angucken und knöpft ihnen dafür Geld ab. (Fairerweise muss man sagen, dass die Trips so organisiert sind, dass jeder was zu sehen kriegt und ihr Geld damit absolut wert.) Beim Finden von Walen sind die Leute übrigens extrem erfolgreich: bei 95% aller Fahrten finden sie welche an der Oberfläche. Zu sehen ist ja nur ein kleiner Teil des Walkörpers: ein wenig vom Kopf mit dem Atemloch. Die Tiere verharren zwischen 2 und 15 Minuten an der Oberfläche um Luft zu holen, bevor sie sich wieder für bis zu eine Stunde unter Wasser auf die Jagd begeben und dabei Tauchtiefen über 1000 Meter erreichen. Die Leute vom Whale Watching sehen anscheinend genau, wann der Wal das letzte Mal Luft holt, bevor er zum Tauchen ansetzt. Man hat also beste Chancen die Kamera scharf zu machen um gute Fotos von der Schwanzflosse zu kriegen. Schon beeindrucken, wenn die sich plötzlich aus dem Wasser erhebt, weil das Tier senkrecht nach unten schießt. In der Bucht hält durchaus noch andere interessante Dinge für den geneigten Betrachter bereit. So gibt es dort bspw. den Königsalbatros, einen Vogel mit beeindruckenden 3 Metern Flügelspannweite. Die wollte er uns zwar erst partout nicht zeigen und schwamm nur die ganze Zeit nur wie eine übergroße Ente auf dem Wasser rum, aber nachdem wir ihn versehentlich beinahe überfahren hätten (war nicht direkt Absicht. Der saß blöderweise im Weg.) hob er dann doch ab, was ziemlich schräg aussieht. Ganz vorbei war unser Spaß auf dem Meer aber auch damit noch nicht: in der Bucht gibt es auch eine ganze Menge Delphine. Eine weitere Chance für Fotos, nachdem die Bay of Islands diesbezüglich ein Reinfall war. Man muss glasklar sagen: die Touren beim Whale Watching sind deutlich besser organisiert. Die Leute stehen sich schlicht nicht gegenseitig im Weg, weil die Boote nicht so vollgepackt sind. Wir hatten Glück: eine Schule von vielleicht 50 Tieren tummelte sich kurz vor der Küste um Wasser. Das faszinierende ist: die haben keine Angst vor den Booten, sondern umschwimmen die neugierig. Man hätte die quasi fast anfassen können (bzw. kann das tatsächlich, wenn man das Schwimmen mit den Delphinen bucht). Ach ja: einen echten Fisch haben wir an dem Tag auch noch gesehen. Die Bucht hält auch beeindruckend große Haie bereit. Der war allerdings so irritiert von dem Boot, dass er verschwunden war, bevor ich ein Foto machen konnte. Nach der Einstimmung morgens war für das Mittagessen natürlich Fisch quasi verpflichtend. Zufällig hing am Auto ein Werbezettel eines Sea-Food-Grills, der ganz in der Nähe war und so sind wir dann auch den Verlockungen der bunten Werbewelt erlegen und dorthin gefahren. In einem Anfall von Im-Urlaub-kann-man-ja-mal-was-ausprobieren haben wir uns für Crayfish (eine Krebsart) entschieden und waren überrascht, wie lecker das ist. Frisch gestärkt und mit aufgefüllten Vorräten ging es dann weiter, Küken einsammeln. Schließlich stand uns ja der Kaikoura Coast Track bevor... Montag, 16. März 2009[NZ09] Reif für die (andere) Insel...Wir sind reif für die Südinsel. Heute morgen klingelte der Wecker schon sehr früh (6:45 Uhr *brrrr*), denn die Fähre zur Südinsel wartete. Neuseeland ist ja durch knapp 22km Wasser (an der schmalsten Stelle) in zwei Hälften getrennt, so dass man nunmal auf's Schiff angewiesen ist, wenn man den Wagen mitnehmen will. Es gab zwar prinzipiell schon Leute, die geschwommen sind (der jüngste übrigens gerade mal 11) oder man kann auch fliegen, aber mangels Tunnel bleibt die Autofähre das Mittel der Wahl mit Mietwagen. Die Überfahrt dauert erstaunlich lang: 3 Stunden ist man auf dem Wasser unterwegs. Zwar ist der minimale Abstand der Inseln recht kurz, die eigentliche Überfahrt geht jedoch aus dem Hafen von Wellington raus, nach Westen und durch den Queen-Charlotte-Sound nach Picton. Die Strecke ist dann deutlich länger, so dass die Fähre trotz einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rundd 35km/h drei Stunden unterwegs ist. Wir haben in der Zwischenzeit die Sonne genossen, denn wie auch schon gestern war das Wetter heute für die Gegend total untypisch: Sonne, fast windstill und kaum Wasserbewegung. Normalerweise kann es auf der zu querenden Cook Strait schonmal heiß hergehen. Scheint uns aber erspart zu bleiben. Von Picton aus wollten wir nach Kaikoura. Unterwegs war ein Stopp im Weingut geplant, da meine Holde sich mit etwas Trinkbarem versorgen wollte, wenn wir schonmal durch die bekannteste Weingegend Neuseelands fahren. Tja, beim Mittagessen ist es dann passiert: plötzlich spricht meine Hosentasche. Das an sich wäre ja schon ungewöhnlich genug, allerdings hatte sie auch noch die nervöse Stimme meiner Schwiegeroma angenommen. Des Rätsels Lösung: mein dämliches Handy hatte die Tastensperre deaktiviert und der Autoschlüssel war wohl auf Wahlwiederholung geraten. Tschuldigt nochmal den Anruf mitten in der Nacht! GG hat die Überfahrt übrigens auch durchaus genossen. Total aufgeregt ist er von einer Ecke des Schiffs in die andere geschwirrt. Schließlich war er so kaputt, dass er die Fahrt durch die Sounds der Südinsel auf dem Sonnendeck verpennt hat. Die nächsten Tage wird es übrigens wahrscheinlich keine Berichte geben. Wir werden schlicht kein Netz haben. Morgen abend beginnt unsere Drei-Tage-Wanderung über den Kaikoura Coast Track. Die Schaffarmen, auf denen wir übernachten haben wahrscheinlich jede Menge Wollviecher, aber kein Internet. Bevor also einer die Truppen losschickt: wir sind nicht verloren. Hoffe ich...
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